Schaffung neuer Wege für indigene Australier
16.11.20 - 12:52 - de.fifa.com

Shadeene Evans (L) and Jada Whyman - John Moriarty Football Indigenous Football Week ambassadors

Die Leidenschaft für den Sport ist auch bei indigenen Australiern tief verwurzelt. Zahlreiche Quellen berichten von Ballspielen, die von den indigenen Einwohnern des Landes gespielt wurden, lange bevor es in Down Under kodifizierten Fussball gab.

Die ersten australischen Sportler, die nach Übersee reisten, waren indigene Cricket-Spieler, die sich 1868 auf den Weg nach England machten.

Australier mit Aboriginal-Abstammung waren auch bei einigen wichtigen Stationen der Fussballgeschichte des Landes dabei. So spielte beispielsweise Harry Williams für die Socceroos bei deren WM-Debüt 1974.

Kyah Simon erzielte den Treffer, der den Matildas 2011 ihren ersten Sieg gegen ein europäisches Team bei einer FIFA Frauen-WM™ brachte. Vier Jahre später war es erneut Simon, die den Siegtreffer gegen Brasilien erzielte, als Australien erstmals ein K.o.-Spiel bei einem WM-Turnier gewann. Im Tor stand damals die athletische Torhüterin Lydia Williams – die Tochter eines Noongar-Stammesführers – und sorgte dafür, dass Marta und Co. nicht zum Erfolg kamen.

Dennoch ist die Teilhabe indigener Australier bei anderen Sportarten noch höher. Doch ein Mann versucht fortlaufend, das bestehende Ungleichgewicht zu verringern.

John Moriarty ist so etwas wie die Vaterfigur für Australiens indigene Fussballgemeinschaft. Er wurde in einem abgelegenen Teil des Northern Territory geboren. Seine Lebensgeschichte nahm einige unerwartete Wendungen. So wurde Moriarty als erster indigener Australier für die Fussball-Nationalmannschaft nominiert, doch dann wurden die für 1960 angesetzten Spiele abgesagt. Seine Leidenschaft für Kunst schlug sich in der auffälligen Sonderlackierung einiger Flugzeuge von Qantas mit auffälligen Aboriginal-Motiven nieder.

Doch die größte Leidenschaft des mittlerweile 82-Jährigen besteht darin, jungen indigenen Fussballern neue Entfaltungswege zu eröffnen. Das wichtigste Hilfsmittel zu diesem Zweck ist die John-Moriarty-Stiftung [JMF].

In der vergangenen Woche gab es die fünfte Auflage der Indigenen Fussballwoche IFW der JMF. Das Festival wurde zeitgleich mit der NAIDOC-Woche für Aboriginals an drei Standorten abgehalten, darunter auch der kleine Ort Tennant Creek im australischen Outback.

In den vergangenen Jahren gab es auch im indigenen Frauenfussball ein starkes Wachstum. Gema Simon wurde für Australiens WM-Kader 2019 nominiert, und hätte sich nicht ihre Cousine Kyah verletzt, wären erstmals drei Spielerinnen mit indigenen Wurzeln im Kader der Matildas vertreten gewesen.

Zwei Botschafterinnen der Indigenen Fussball-Woche machen sich Hoffnungen auf eine Teilnahme, wenn das größte Frauenfussballturnier der Welt 2023 in Down Under stattfinden wird. Die beiden W-League-Akteurinnen Shadeene Evans und Jada Whyman fungierten als Vorbilder zum Anfassen für 1200 teilnehmende Youngster im Alter von 10 bis 18 Jahren.

Evans kommt aus Moriartys Heimatort Borroloola, der einen ganzen Tag von der nächsten größeren Stadt entfernt liegt. Doch dank der Jason-Moriarty-Stiftung hat Evans den langen Weg geschafft und kickt jetzt nicht mehr auf staubigen roten Sandplätzen, sondern genießt in Sydney intensives Training. Sie spielt für das Meisterteam des FC Sydney und wurde bereits für die Young Matildas nominiert.

Inspiriert von Evans' Erfolgsgeschichte lautet das Motto des diesjährigen Festivals 'Pathways – Entwicklungswege'. Es zielt darauf ab, jungen Spielerinnen und Spielern Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen, die sonst möglicherweise unentdeckt blieben.

In diesem Jahr hat die JMF ein neues Stipendium-Programm aufgelegt. Es soll nicht nur talentierte Akteure fördern, sondern starkes schulisches und gesellschaftliches Engagement positive Veränderungen herbeiführen.

Das neue Programm stellt in den Gemeinden Stipendien für ausgewählte Athleten bereit. Dabei erfolgt eine intensive, individuelle Betreuung für jeden einzelnen Sportler. Außerdem werden Schulbedarf und Schreibwaren gestellt, ein Platz bei einem Partner-Fussballklub in der Region vermittelt sowie die Kosten für Fussballausrüstung und Reisen übernommen.

"Fussball bedeutete für mich nicht nur die Möglichkeit, selbst zu spielen, sondern brachte auch viele weitere Möglichkeiten mit sich", so Moriarty über seine eigenen Erfahrungen. "Er hat mir die Möglichkeit eröffnet, viele Dinge auf vielen Gebieten zu tun.

Junge Spieler können hier nicht nur ihr fussballerisches Können verbessern. Wenn sie gut genug sind, können Sie vielleicht sogar für ihr Land antreten und im Ausland spielen. Der Fussball hat mir einen großartigen Start ermöglicht. Aus diesem Grund haben wir unser Programm ins Leben gerufen."


"Ein Kuss für zwanzig Cent" – Die Anfänge des neuseeländischen Frauenfussballs
02.11.20 - 08:46 - de.fifa.com

New Zealand's team at the 1975 AFC Women's Championship

Wenn 2023 die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ in Down Under beginnt, wird seit dem ersten Länderspiel einer neuseeländischen Frauen-Nationalmannschaft fast ein halbes Jahrhundert vergangen sein. Das Team debütierte 1975 bei der ersten Auflage des Turniers, aus dem später der AFC Asien-Pokal der Frauen wurde.

Die Aussage, dass sich der Frauenfussball in Neuseeland seit den Anfangszeiten dramatisch verändert hat, wäre eine enorme Untertreibung.

Eine Einladung der asiatischen Frauenfussballkonföderaton brachte die damals drei aktiven Frauenfussballverbände im Land – Auckland, Wellington und Canterbury – dazu, in aller Eile den neuseeländischen Frauenfussballverband zu gründen.

"Unsere erste Aufgabe bestand darin, irgendwie das Geld zusammenzubekommen", erzählte Barbara Cox, die erste Spielführerin Neuseelands, gegenüber FIFA.com.

"Eine Methode bestand darin, in den Pub zu gehen und einen Kuss für 20 Cent anzubieten. Man konnte auch mit einer Spendenbüchse die Straße rauf- und runterlaufen und die Menschen direkt ansprechen, ob sie bitte etwas Geld spenden würden. Vier von uns waren tatsächlich so unterwegs und haben etwas Geld zusammengebracht."

"Es gab damals nicht sonderlich viele Möglichkeiten, Geld aufzutreiben. Daher haben wir auch Autos gewaschen. Die Regierung steuerte auch ein bisschen bei, und jede von uns musste 100 Dollar aus der eigenen Tasche bezahlen."

"Nach unserer Ankunft in Hongkong ging ich zunächst los, um Fussballschuhe zu kaufen. Die Hersteller dachten damals nicht im Traum daran, dass auch Frauen spielten. Wenn man kleine Füße hatte, musste man mit Kinderschuhen spielen. Wir mussten also die ganze Zeit in brandneuen Schuhen spielen, was man heutzutage niemals tun würde."

Dass der Frauenfussball damals noch ganz am Anfang stand wird an der Tatsache deutlich, dass Cox erst zwei Jahre vor ihrem Debüt im Nationalteam mit dem Fussball begonnen hatte.

Kulturelle Barrieren

Die Neuseeländerinnen holten trotzdem vier Siege in vier Spielen, die damals jeweils 60 Minuten dauerten. Die Kiwis gewannen das Turnier mit einem Abschlusssieg gegen Thailand, nachdem sie sich im Halbfinale gegen Australien durchgesetzt hatten.

"Wir hatten beeindruckende Publicity, als wir zurückkamen. Am Flughafen warteten Presse, Radio und TV." Es gab verdiente Anerkennung für die Leistungen des Teams, aber auch herablassende Schlagzeilen wie "Bräute am Ball" oder "Fussball wird Weibersache".

Nach dem Erfolg von Hongkong wurde 1976 ein einwöchiger nationaler Wettbewerb ausgespielt. Schon bald hatte jede Region einen eigenen Frauenverband gegründet. Allerdings mussten verschiedene Hürden überwunden werden.

"Wir hatten immer wieder Probleme, Zugang zu den Plätzen zu bekommen. Oftmals mussten wir auf Schulsportplätzen spielen", erinnert sich Cox. "Man kam immer schon umgezogen zum Spiel, weil man nie wusste, welche Anlagen man vorfinden würde."

"Ein weiteres Problem war, dass viele Klubs einfach keine Frauen akzeptierten. Es gab viele Männer, die unbedingt verhindern wollten, dass wir in ihr "Revier" eindrangen. Oder man dachte, wir würden uns verletzen. Und natürlich gab es auch viele Kommentare nach dem Motto, "Ihr solltet ohnehin nicht spielen, weil das nicht ladylike ist."

"Aber es gab auch viele Männer, die uns halfen. Das war unbezahlbar, denn natürlich gab es damals keine Frauen, die Erfahrung als Trainerinnen hatten. Das war schon ziemlich bizarr. Auf der einen Seite Männer, die uns wirklich helfen wollten und auf der anderen solche, die uns nicht in ihrer Nähe haben wollten."

New Zealand in action at the 1975 AFC Women's Championship

Familienbande

Barbaras Ehemann Roy, der in seiner Jugend für Brentford und Queens Park Rangers gespielt hatte, half beim Aufbau des ersten Frauenteams bei seinem Klub Mt Eden in Auckland. Die beiden Töchter Michele und Tara spielten ebenfalls für Neuseeland.

Die beiden Schwestern trugen 1987 sogar gemeinsam die neuseeländischen Farben, wahrscheinlich als erstes Geschwisterpaar der Welt. Die beiden ergänzten sich in einigen Spielen für Neuseeland in der Innenverteidigung perfekt.

"Michele war eine viel bessere Spielerin als ich, mit viel besserer Technik. Als wir erstmals im Klub zusammen spielten, vergaß ich mich kurz und rief ihr zu: "Los, Mäuschen, pass den Ball zu mir.' "

Cox freut sich schon sehr auf die einzigartige Perspektive einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ im eigenen Land.

"Die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2008 in Neuseeland veränderte die Auffassung der Leute – meist Männer - die erkannten, dass junge Frauen wirklich gut spielen können. Ich bin sicher, dass man 2023 geradezu schockiert sein wird, wie hoch das Niveau mittlerweile ist."

"Heute ist es ganz normal, dass Frauen Fussball spielen. Es hat ziemlich lange gedauert, doch ich denke, die Weltmeisterschaft wird das noch einmal auf ein anderes Niveau bringen. Ich wäre nicht überrascht, wenn nach dieser Weltmeisterschaft deutlich mehr Geld in den Frauensport fließt, in Australien und auch in Neuseeland."

"Ich habe schon immer gesagt, dass Frauen ebenso gut wie Männer spielen können - bloß eben nicht ganz so schnell und nicht ganz so kraftvoll. Als Sport-Soziologin war mir das schon immer klar. Wir hatten eben früher keinen Zugang zu erstklassigen Trainern, erstklassigem körperlichen und mentalen Training. Heute trainieren Frauen auf die gleiche Weise wie Männer – und man sieht ja, welche Früchte das trägt."


Simon: Cathy Freemans Erfolg hallt immer noch in mir nach
27.10.20 - 07:26 - de.fifa.com

Kyah Simon at Penrith Stadium in 2017

Vor 20 Jahren erlebte Australien einen seiner größten sportlichen Momente. Cathy Freeman einte die ganze Nation, als sie mit ihrem Sieg beim 400-m-Lauf bei den Olympischen Spielen von Sydney als erste indigene Australierin eine Olympische Goldmedaille in einer Einzeldisziplin holte.

Ganz in der Nähe im Westen Sydneys schaute damals die neunjährige Kyah Simon gebannt und voller Stolz und Freude zu. Die Inspiration war unermesslich und, was noch wichtiger ist, sie erwies sich als zeitlos.

Wann immer Australien einen Meilenstein bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ erreichte, war Kyah Simon ein wichtiger Faktor in der Erfolgsformel. Simon erzielte das einzige Tor der Partie, als Australien bei der WM 2015 in Kanada den bis heute einzigen Sieg in der K.o.-Phase einer Weltmeisterschaft feierte – ausgerechnet gegen Brasilien. Simon war vier Jahre zuvor die erste indigene Australierin, die ein WM-Tor erzielte, als die Matildas zum ersten und bis heute einzigen Mal bei einer WM einen europäischen Gegner besiegten.

Simon ist stolz auf ihre indigenen Wurzeln und verfügt über eine wichtige Qualität, die man nicht trainieren kann. Ex-Nationaltrainer Tom Sermanni nannte es ein "angeborenes Spielverständnis". Simon war es auch, die sich als 18-Jährige ein Herz fasste und den entscheidenden Elfmeter verwandelte, als die Matildas erstmals einen Sieg beim AFC Asien-Pokal feierten.

Fast ein Jahrzehnt lang spielte sie abwechselnd in der amerikanischen NWSL und der australischen W-League. Jetzt genießt Simon einen neuen Abschnitt ihrer Karriere beim niederländischen Klub PSV Eindhoven. Simon erzählte FIFA.com über ihr neues Abenteuer in Europa, die schmerzhafte Erfahrung der verpassten FIFA Frauen-WM 2019™ wegen einer Verletzung, ihre Vorfreude auf die FIFA Frauen-WM 2023 im eigenen Land und ihre Erinnerungen an die Olympischen Spiele von Sydney.

FIFA.com: Beginnen wir mit einer Rückblende, Kyah: Welche Erinnerungen haben Sie an den Gewinn der Goldmedaille durch Cathy Freeman bei den Olympischen Spielen 2000?

Kyah Simon: Ich saß mit meiner ganzen Familie vor dem Fernseher (im Westen Sydneys). Wir waren regelrecht an den Bildschirm gefesselt und absolut aus dem Häuschen, als Cathy die Ziellinie überquerte. Wir waren im Olympiafieber und ihr Rennen war der absolute Höhepunkt für uns. Es hatte ja im Vorfeld auch einen enormen Hype darum gegeben. Selbst heute bekomme ich noch eine Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke. Ich erinnere mich noch sehr genau an alles. Es war ein riesiger Moment für den australischen Sport, für die Ureinwohner und für das Land im Allgemeinen.

Hat dieser Moment Sie damals als indigene Sportlerin inspiriert? Und heute auch noch?

Sie ist die Heldenfigur und Sportlerin, die mich als Kind inspiriert hat. Wir teilen durch unsere Aboriginal-Abstammung die gleiche Kultur und das gleiche Erbe. Das machte die ganze Sache natürlich noch intensiver. Es zeigte mir, dass auch Aboriginal-Frauen Erfolge haben können. Insofern war es für mich als damals neunjähriges Mädchen eine enorme Inspiration.

Im niederländischen Frauenfussball hat sich in den vergangenen Jahren enorm viel getan. Sehen Sie auch in der Eredivisie der Frauen positive Veränderungen?

Ich habe den Eindruck, dass es hier riesige Verbesserungen gegeben hat. Auch in Gesprächen mit anderen Spielerinnen wird deutlich, dass hier enorme Fortschritte gemacht werden. Einige Spielerinnen, die schon seit sechs, sieben Jahren dabei sind, bestätigen ebenfalls, dass die Veränderungen in dieser Zeit außerordentlich sind. Es gibt riesige Fortschritte und man tut viel, um die Qualität der Liga so weit wie möglich zu steigern. Das zeigt sich auch daran, dass einige Nationalspielerinnen in die Liga zurückgekehrt sind. PSV ist ein durch und durch europäisch geprägter Klub und wird sehr professionell geführt. Es erinnert mich stark an Melbourne City in meiner Heimat, mit ähnlich guten Anlagen und Einrichtungen.

Wie gefällt Ihnen Ihr erstes fussballerisches Abenteuer bei einem europäischen Klub und die hiesige Fussballkultur?

Es gefällt mir sehr. Vielleicht hätte ich diesen Wechsel schon etwas früher machen sollen, doch besser spät als nie. Ich denke, dass ich in den kommenden Jahren in Europa bleiben werde. Ich genieße die Veränderungen, die das Leben und der Fussball in Europa mir bieten. Das ganze Jahr bei ein und demselben Team zu bleiben, ist sicher eine gute Sache. Es ist wohl das erste Mal, dass ich bei einem Klub die gesamte Saisonvorbereitung mitgemacht habe. Auf den eigenen Körper und die Gesundheit zu achten ist für Fussballer überaus wichtig. Die Voraussetzungen hier erlauben mir, das zu tun.

Es wird viel Fussball im Fernsehen gezeigt, und zwar nicht nur mitten in der Nacht. Ich habe hier das Gefühl, immer und überall vom Fussball umgeben zu sein und auch dieser Aspekt gefällt mir sehr gut.

Was haben Sie gedacht, als Sie erfuhren, dass die FIFA Frauen-WM 2023™ in Australien und Neuseeland stattfindet?

Ich war bei der Ankündigung in Sydney. Es war ein absolut verrücktes Erlebnis. Ein Gefühl der puren Ekstase. Ich habe ja schon bei Weltmeisterschaften gespielt und weiß daher, was für eine besondere Erfahrung das ist. Das nun im eigenen Land zu erleben, wenn sich das ganze Land auf dieses Turnier konzentriert, so wie wir es bei den Olympischen Spielen 2000 erlebt haben, wird schon eine Riesensache – und dann noch selbst aktiv dabei zu sein … . Es sind sehr aufregende Zeiten und es wird bestimmt auch sehr interessant, was in den kommenden Jahren im Vorfeld des Turniers alles passiert.

Wie sind Sie damit zurecht gekommen, dass Sie die FIFA Frauen-WM Frankreich 2019™ verpasst haben?

Das war sehr hart. Aber nichts passiert ohne Grund. Dadurch ist meine Entschlossenheit nur noch größer, in Zukunft bei wichtigen Turnieren dabei zu sein. Ich werde alles in meiner Kraft und Macht Stehende tun, um dabei zu sein.

Inspiriert Sie die Ausrichtung des Turniers in Australien noch mehr, oder ist das verpasste Turnier 2019 Ihr größter Antrieb?

Ich denke, man sollte versuchen, sich auf das Jetzt zu konzentrieren und sich von Tag zu Tag zu verbessern, und sich nicht zu sehr auf das Morgen konzentrieren und zu weit in die Zukunft denken. Es sind ja auch noch andere Ziele in Sicht: die Olympischen Spielen 2021, der AFC Asien-Pokal, dann die Weltmeisterschaft und die nächsten Olympischen Spiele. Das alles sind individuelle Ziele für mich, auf die ich hinarbeite. Ich versuche stets, mir Tag für Tag neue Herausforderungen zu stellen und so zu trainieren, dass ich bei diesen großen Turnieren in Bestform sein kann.


Auswahlverfahren für die Spielorte der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2023™: virtuelle Seminare beginnen
19.10.20 - 21:00 - de.fifa.com

A close up of the Women's World Cup Trophy

Nach der Vergabe der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2023™ an Australien und Neuseeland läuft ab heute das Auswahlverfahren für die Spielorte an: Vom 20. Oktober bis 4. November führt die FIFA virtuelle Seminare mit den zwölf Bewerberstädten durch.

Die virtuellen Seminare bieten den zwölf Bewerberstädten ein Forum, in dem sie von der FIFA und den beiden gastgebenden Verbänden – dem australischen und dem neuseeländischen Fussballverband – mehr Informationen über das Verfahren zur Auswahl der Spielorte erhalten. Zudem stellen die Städte ihre aktualisierten Pläne vor, gefolgt von einer interaktiven Fragerunde zu betrieblichen Aspekten.

Folgende zwölf Bewerberstädte nehmen an den virtuellen Seminaren teil:

*Australia-Stadion und Sydney-Fussballstadion

Im Vorfeld der virtuellen Seminare sagte Colin Smith, Turnier- und Veranstaltungsdirektor der FIFA:

"Wir freuen uns auf die virtuellen Seminare in den nächsten Wochen – sie sind die ersten Schritte, die wir gemeinsam mit Australien und Neuseeland auf dem Weg zur FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2023 gehen. Diese Seminare bieten ein nützliches Forum: Wir lernen die zwölf Bewerberstädte besser kennen und erfahren mehr über ihre Pläne für die Stadien, Trainingsanlagen und anderen zentralen Betriebsbereiche."

Nach den virtuellen Seminaren werden in allen Bewerberstädten Inspektionen durchgeführt, jedoch erst, wenn es die Sicherheit zulässt. Bei der entsprechenden Beurteilung hält sich die FIFA gemäß ihren Richtlinien an die Empfehlungen und Vorschriften der Gesundheitsbehörden zur COVID-19-Pandemie.

Die FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2023™ ist die erste FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ überhaupt – bei den Männern wie auch den Frauen –, die von zwei Konföderationen gemeinsam veranstaltet wird. Zudem ist sie die erste FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft™ mit 32 Teams.

Weitere Informationen zur FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2023™ finden Sie auf FIFA.com oder auf unseren Social-Media-Kanälen wie Twitter, Facebook und Instagram.


Rosie White will bei Neuseelands Heim-WM wieder glänzen
09.10.20 - 08:42 - de.fifa.com

Rosie White #31 of the Seattle Reign FC is honored for representing the New Zealand Women's National Football Team prior to taking on the Chicago Red Stars during their game at Cheney Stadium on July 28, 2019 in Tacoma, Washington. 

Eine Weltmeisterschaft auf eigenem Boden. Ein historischer Sieg in der Landeshauptstadt. Ein perfekter Hattrick … die meisten neuseeländischen Fussballerinnen dürften davon träumen, dass ihnen 2023 so etwas gelingt. Rosie White hingegen hat diesen Traum schon durchlebt – und zwar im zarten Alter von 15 Jahren.

Es war im Wellington Regional Stadium und Whites Tore – mit dem rechten Fuß, dem linken Fuß und per Kopf – bescherten ihrem Land den ersten Sieg aller Zeiten bei einem FIFA-Frauenturnier. Und all das trug sich vor der Familie und Freunden zu, als Neuseeland 2008 die erste FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft™ ausrichtete.

Rosie White of New Zealand celebrates her goal during the FIFA U-17 Women's World Cup match between New Zealand and Colombia at the Westpac Stadium on November 4, 2008 in Wellington, New Zealand. 

"Das ist bis heute eine meiner schönsten Erinnerungen", sagte sie gegenüber FIFA.com. "Mir war gar nicht klar, was für eine große Sache diese Weltmeisterschaft in Neuseeland sein würde. Mit 15 daran beteiligt zu sein, war ein absolut großartiger Einstand im internationalen Fussball."

"Dieser Sieg gegen Kolumbien war einfach riesig. Schließlich war es der erste Sieg überhaupt für ein neuseeländisches Team bei einer Fussball-Weltmeisterschaft. Es war ein Gefühl, als hätten wir das Turnier gewonnen."

"Ich habe die gesamte WM als sehr emotionales Erlebnis im Gedächtnis. Wir waren alle noch so jung, wir standen uns im Team unglaublich nahe und es war einfach ein tolles Abenteuer für uns alle. Es ist jetzt schon ziemlich lange her, aber ich erinnere mich noch an alles, insbesondere an die Emotionen, sehr lebhaft. Bis dahin war Fussball für mich ein Sport, den ich liebte, aber nicht mehr. Dieses Turnier weckte in mir den Wunsch, daraus eine echte Karriere zu machen."

Zwölf Jahre später zeigt Whites Bilanz – 110 Länderspiele, drei WM-Teilnahmen, zwei Teilnahmen am Olympischen Fussballturnier der Frauen sowie Gastspiele bei Spitzenklubs in England und in den USA – wie richtig ihre als Teenager getroffene Entscheidung war.

Rosie White of New Zealand at the FIFA Women's World Cup France 2019.

"Es war von Zeit zu Zeit eine echte Achterbahnfahrt, doch ich kann mich sehr glücklich schätzen", bilanziert sie. "Die Olympischen Spiele 2012 waren bisher das Allergrößte für mich.Das war das erste Mal, dass wir bei einem FIFA-Turnier den Sprung aus der Gruppenphase geschafft haben, und das fühlte sich an wie ein großer Durchbruch. Wir hatten damals einen echten Höhenflug. Und wenn wir nicht im Viertelfinale auf die USA getroffen wären, hätten wir vielleicht sogar noch weiter kommen können."

Trotz all der Tore und der vielen denkwürdigen Momente bei großen Turnieren ist White überzeugt, dass das Beste erst noch kommt. Und das liegt daran, dass erneut eine Weltmeisterschaft auf neuseeländischem Boden winkt.

Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023™ beginnt wenige Woche nach ihrem 30. Geburtstag, wenn White sich – sofern ihr keine Verletzungen dazwischen kommen – auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit befindet. Doch noch bedeutender ist die allgemeine Tragweite des Turniers.

"Das Tempo der Entwicklung und die Investitionen in den internationalen Frauenfussball waren im vergangenen Jahrzehnt so hoch, dass Neuseeland meiner Meinung nach kaum Schritt gehalten hat", so ihre Einschätzung. "Daher finde ich, dass es nicht nur fantastisch ist, dass diese WM kommt, sondern auch wirklich nötig – um den Frauenfussball bei uns wieder richtig auf Touren zu bringen."

"Für uns als Spielerinnen wird diese WM natürlich etwas ganz Besonderes, denn wir haben im Vergleich zu vielen anderen Nationalteams viel seltener die Chance, zu Hause zu spielen. Daher ist das immer ein ganz besonderes Gefühl. Wenn ich daran denke, wie toll die U-17-WM damals war und wie viel größer diese Frauen-Weltmeisterschaft sein wird, dann kann ich mir kaum vorstellen, wie fantastisch es wird. Ich bin schon ganz aufgeregt, wenn ich nur daran denke."

White hofft, dass die Entscheidung für eine Profikarriere, die sie als Teenagerin traf, nicht für alle Ewigkeit an die Bereitschaft geknüpft bleibt, die Heimat zu verlassen und ans andere Ende der Welt umzuziehen. Sie selbst hat enorm von ihren Erfahrungen in England und den USA profitiert und sie sehr genossen. Dennoch wünscht sich die 27-Jährige, dass die nächste Generation neuseeländischer Spielerinnen mehr Möglichkeiten und Chancen in der Heimatregion bekommt.

"Wir brauchen unbedingt ein professionelles Umfeld in Neuseeland und wir versuchen schon seit einigen Jahren, mit einem Team in der [australischen] W-League Fuß zu fassen. Hoffentlich bringt uns die Weltmeisterschaft dafür den benötigten Schwung", meint sie. "Ich musste vor zehn Jahren ins Ausland gehen und noch heute ist jedem jungen Mädchen klar, was auch mir damals klar war: Wenn du Fussballprofi werden willst, kannst du nicht in Neuseeland bleiben."

"Die Leute sagen oft: "Nun, wir sind ein kleines Land" – und das stimmt ja auch. Aber es gibt eine ganze Menge kleiner Länder auf der Welt – zum Beispiel in Skandinavien – mit professionellen Frauenteams. Wir müssen Kinder schon in jüngerem Alter fördern und motivieren, und dafür wären natürlich Profiteams in Neuseeland absolut wichtig."

In den vergangenen vier Jahren hat White die Vorteile des Profitums in der mit Stars gespickten NWSL selbst erlebt. Bei ihrem Klub OL Reign zählt die The Best – FIFA-Weltfussballerin Megan Rapinoe zu ihren Teamkameradinnen. Von ihr hat sich die Neuseeländerin langsam aber sicher abgeschaut, wie wichtig volle Konzentration, Selbstbewusstsein und unerschütterliche Entschlossenheit sein können.

"Dieser Aspekt der amerikanischen Mentalität ist wirklich interessant", findet sie. "Als ich in die USA kam, hat mich das ein bisschen genervt, das gebe ich zu. Eigentlich wollte ich dem aus dem Weg gehen. Diese ultra-selbstbewusste Einstellung und alles überaus ernst zu nehmen, läuft eigentlich genau gegen meine Natur und gegen alles, was ich in Neuseeland gelernt habe. Doch im Laufe der Zeit und insbesondere in den letzten paar Jahren habe ich mich durchaus darauf eingelassen."

"Ich meine eigentlich, dass ich mich abseits des Spielfelds nicht so sehr geändert habe, doch ich habe gesehen, wie wichtig diese Einstellung der U.S.-Spielerinnen auf dem Feld ist: "Ich werde nicht verlieren und es ist mir völlig egal, wer sich mir in den Weg stellt." Ich habe am Anfang unterschätzt, wie mächtig diese Einstellung ist. Aber ich habe gelernt, dass sie dazu beiträgt, die wirklichen Spitzenspielerinnen vom Rest abzuheben – und vielleicht auch das Team der USA von den anderen Ländern im Frauenfussball."

Schon lange ist es Whites persönliches Ziel, auch selbst dieses Eliteniveau zu erreichen. Nachdem sie in den vergangenen Jahren immer wieder durch Verletzungen und auch durch mangelnde Konstanz zurückgeworfen wurde, will die Stürmerin jetzt wieder Fortschritte in diese Richtung machen.

"Ich bin überzeugt, dass gute Zeiten kommen", sagt sie. "Technisch und taktisch habe ich das Gefühl, allmählich den Zenit zu erreichen. Jetzt muss ich mich noch mental und körperlich antreiben, um das nächste Level zu erreichen."

"Ich weiß, was ich tun muss, um auf höchstem Niveau konstant gut zu spielen, und um ehrlich zu sein, habe ich das in den letzten Jahren nicht geschafft. Für die Zukunft geht es darum, alles zusammenzufügen. Ich bin sehr optimistisch, weil ich weiß, dass noch eine ganze Menge mehr für mich drin ist. Ich bin wirklich gespannt, was ich erreichen kann."

Rosie White of New Zealand poses for a portrait

Matildas über die Kangaroo-Route wiedervereint
05.10.20 - 11:14 - de.fifa.com

Elise Kellond-Knight of Australia celebrates

Die Frauenfussball-Landschaft hat sich in den letzten Jahren oft in kürzester Zeit erheblich verändert. Das ist sicherlich einer der faszinierenden Aspekte dieser Sportart. Insbesondere sind in diesem Zusammenhang rapide ansteigende Zuschauerzahlen, immer höhere Standards auf dem Spielfeld und ein wachsendes Medieninteresse zu nennen. Europas kollektive Kampfansage bei der letztjährigen FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ sowie weitreichende Investitionen in eine dynamische Klubszene sind noch beeindruckendere Beispiele vom europäischen Kontinent.

Ein derartiges Wachstum in Ländern wie Spanien, Italien, den Niederlanden und insbesondere England hat ein Umdenken im hochkarätig besetzten Kader Australiens, dem Mitgastgeber der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023™, ausgelöst.

Im Vorfeld des AFC Asien-Pokals der Frauen 2018 standen nur zwei der 23 australischen Nationalspielerinnen bei europäischen Klubs unter Vertrag. Gut zwei Jahre später, im März dieses Jahres, war der gesamte Kader des AFC-Qualifikationsturniers für das Olympische Fussballturnier auf dem "Alten Kontinent" aktiv.

Akteurinnen wie Elise Kellond-Knight, Tameka Yallop und Aivi Luik waren bereits zuvor über längere Zeitabschnitte in Europa aktiv gewesen. Doch dann geschah etwas Unerwartetes, und dabei übernahm einmal mehr Sam Kerr eine Vorreiterrolle. Die torgefährliche Stürmerin beendete Ende letzten Jahres ein sehr lukratives Engagement in der US-amerikanischen Profiliga NWSL, um ein Angebot des FC Chelsea anzunehmen. Wenige Monate später folgten ihr mit Caitlin Foord, Hayley Raso und Chloe Logarzo drei Spielerinnen aus der australischen W-League.

Und plötzlich wurde aus einem kleinen Bach ein reißender Fluss. Der Begriff "Kangaroo-Route", mit dem früher die Passagierflüge von Australien nach Europa bezeichnet wurden, bekam im Zusammenhang mit dem Sport eine ganz neue Bedeutung.

13 Australierinnen standen in der letzten Saison in der NWSL unter Vertrag, doch der Grund für den 2020 eingeleiteten Richtungswechsel hat vielfältige Gründe. "Ich habe bemerkt, dass Spielerinnen unbedingt nach Europa wechseln wollten", so Australiens linke Mittelfeldspielerin Elise Kellond-Knight, die einen Großteil des letzten Jahrzehnts in Europa verbracht hat, im Gespräch mit FIFA.com.

"Der Trainerstab der Matildas hat festgestellt, dass wir gegen europäische Teams (im letzten Jahr) und auch in den Vorjahren nicht erfolgreich waren. Das ist also ein Schwachpunkt." Ein wichtiger Faktor ist sicherlich COVID. Die Tatsache, dass die amerikanische Liga nicht fortgesetzt werden konnte, hat ebenfalls einen wichtigen Impuls gegeben. Es kamen also mehrere Faktoren zum Tragen.

"Einige Spielerinnen haben noch nie zuvor in Europa gespielt. Sie werden enorm davon profitieren", meint Kellond-Knight, die bereits auf ein langes und erfolgreiches Engagement bei Turbine Potsdam zurückblicken kann und derzeit bei Kristianstads DFF in Schweden unter Vertrag steht. KKs’ derzeitiges Zuhause könnte kaum weiter von ihrer Heimat an der Gold Coast entfernt sein, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes und im übertragenen Sinn. Ihre andere Leidenschaft, das Surfen, kann sie derzeit vergessen, doch das Opfer lohnt sich.

"Für mich persönlich ziehe ich den europäischen Fussball vor, und viele Aspekte des hiesigen Lebensstils gefallen mir", erklärt sie. "Da so viele hochkarätige Spielerinnen nach Europa wechseln, werden natürlich alle davon profitieren, jeden Tag in diesem Umfeld trainieren zu können."

Australische Leistungsträgerinnen in Europa

England – Steph Catley, Caitlin Foord, Lydia Williams (alle FC Arsenal), Alanna Kennedy (Tottenham Hotspur), Sam Kerr (FC Chelsea), Chloe Logarzo (Bristol City), Hayley Raso (FC Everton), Emily van Egmond (West Ham United)

Frankreich – Laura Brock, geborene Alleway (EA Guingamp), Ellie Carpenter (Olympique Lyon), Mary Fowler (Montpellier HSC)

Niederlande – Amy Harrison, Kyah Simon (beide PSV Eindhoven)

Norwegen – Katrina Gorry, Clare Polkinghorne (beide Avaldsnes IL), Karly Roestbakken (LSK Kvinner), Tameka Yallop (Klepp IL)

Schweden – Emily Gielnik (Vittsjö GIK), Elise Kellond-Knight (Kristianstads DFF)

Spanien – Alex Chidiac (Atlético Madrid), Aivi Luik (FC Sevilla), Jenna McCormick (Real Betis Sevilla)

Australien konnte beim Algarve Cup und in anderen Länderspielen bereits positive Ergebnisse gegen europäische Teams verbuchen, bei einer WM gelang dies jedoch nur einmal. Bei der letzten WM-Auflage 2019 in Frankreich wurde diese Flaute mit einer Niederlage gegen Italien und einer weiteren nach Elfmeterschießen gegen Norwegen fortgesetzt.

"Gegen europäische Gegner haben wir immer Schwächen gezeigt, da gibt es ein Manko in unserer Spielweise und unserem Wissen", so Kellond-Knight, die mit Bedacht spricht, was vielleicht von einer Spielerin mit einem abgeschlossenen Pharmaziestudium, die gerade freiwillig ein Praktikum auf Distanz absolviert, nicht anders zu erwarten ist.

"Was in England passiert, ist wirklich fantastisch. Dort hat sich in den letzten 12 bis 18 Monaten sehr viel bewegt, und die Spielerinnen sehen, dass hier wirklich viel investiert wird."

"Ressourcen, die Unterstützung der Spielerinnen, Werbung, Infrastruktur und Frauenteams, die den großen Klubs angegliedert sind – das gesamte Paket rund um die Liga ist attraktiv und ich glaube, England macht seine Sache in letzter Zeit von allen am besten."


Gustavsson zum neuen Trainer der "Matildas" ernannt
29.09.20 - 11:10 - de.fifa.com

New Australia coach Tony Gustavsson with Matildas forward Caitlin Foord

Tony Gustavsson wurde zum neuen Cheftrainer der australischen Frauen-Nationalmannschaft ernannt.

Dem Schweden wurde die Verantwortung übertragen, den Co-Gastgeber Australien bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2023 zu leiten. Gustavssons Erfolge als Trainer umfassen zwei aufeinanderfolgende Triumphe bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in den Jahren 2015 und 2019, in denen er als Assistent von Jill Ellis für die USA arbeitete. Er war auch Assistent von Pia Sundhage, als die Stars & Stripes bei den Olympischen Spielen 2012 in London Gold gewannen.

Jill Ellis, Head Coach of USA celebrates with Assistant coach of USA Tony Gustavsson

Gustavsson arbeitet derzeit als Cheftrainer der ersten Mannschaft des schwedischen Erstligisten Hammarby.

Zu seinem Vereinserfolg gehört ebenfalls, dass er Tyreso 2014 ins Finale der UEFA Women's Champions League führte.

Gustavssons Vertrag läuft bis 2024. Er wird die Matildas bei mehreren wichtigen internationale Wettbewerbe betreuen, darunter das Olympische Fussballturnier der Frauen in Tokio, den AFC-Frauen-Asien-Pokal 2022 und die Frauen-Weltmeisterschaft auf heimischem Boden .

Der 47-Jährige wird versuchen, die Leistung der Matildas in Frankreich 2019 zu verbessern. Dort war Australien nach dem Achtelfinale ausgeschieden.

"Ich bin sehr stolz und glücklich, zum Cheftrainer (Australien) ernannt worden zu sein", sagte Gustavsson. "Ich habe das Gefühl, dass ich durch meine 21 Jahre als Trainer in die Lage versetzt wurde, darauf vorbereitet zu sein. Es fühlt sich so an, als wäre es zu einem Zeitpunkt gekommen, auf den ich gewartet habe, und zwar die Matildas vier Jahre lang zu führen, auch bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023 in Australien und Neuseeland. Ich habe immer gesagt, dass die Matildas das Potenzial haben, eines der besten Teams der Welt zu sein, und das ist einer der Gründe, warum ich an Bord kommen wollte. Ich stand oft unter Druck und in einer Umgebung, die Erfolg erfordert. Diese Erfahrungen werden von Vorteil sein, wenn wir gemeinsam mit den Fans, Stakeholdern, Spielerinnen und den Mitarbeitern als Team ein Ziel verfolgen."


Dalila Ippolito, eine Argentinierin, die neue Wege beschreitet
11.09.20 - 09:24 - de.fifa.com

Dalila Ippolito of Argentina poses for a portrait

Dalila Ippolito befand sich in Quarantäne zu Hause, als sie eine WhatsApp-Nachricht ihres Managers erhielt, der fragte, ob sie Zeit für ein Gespräch habe. Die argentinische Mittelfeldspielerin sondierte gerade Angebote aus dem Ausland, so dass die Frage für sie nicht überraschend kam. Bis sie dann den Videoanruf annahm …

-Hallo, lass mich direkt zum Punkt kommen: Juventus Turin möchte dich verpflichten. Wärst du bereit?

-Was für eine Frage? Was brauchst du? …

Das Gespräch mit weiteren Details zur Transaktion und den Plänen des Vereins mit ihr dauerte nur 20 Minuten. Als es zu Ende war, rief sie "Juventus möchte mich haben!", und zwar so laut, dass es durch alle Straßen von Villa Lugano schallte, dem Viertel von Buenos Aires, wo sie im Alter von sechs Jahren mit dem Fussball begonnen hatte.

"Natürlich hatte ich die Absicht, nach Europa zu wechseln. Aber nun direkt zu einem so großen Verein. Plötzlich saß ich in einem Flugzeug und fragte mich: 'Was mache ich hier?'", gesteht Dalila über Zoom, mit einem Mate-Getränk in der Hand, gegenüber FIFA.com.

Dalila Ippolito (Juventus)
Argentina's Dalila Ippolito, new player of Juventus
Argentina's Dalila Ippolito, new player of Juventus
Argentina's Dalila Ippolito, new player of Juventus
Argentina's Dalila Ippolito, new player of Juventus
Argentina's Dalila Ippolito, new player of Juventus
Argentina's Dalila Ippolito, new player of Juventus
Argentina's Dalila Ippolito, new player of Juventus
Argentina's Dalila Ippolito, new player of Juventus
Argentina's Dalila Ippolito, new player of Juventus

Ippolito feierte ihr Debüt am vergangenen Wochenende, als sie zum Auftakt der Serie A 2020/21 eingewechselt wurde. Wenn man sie so hört, scheint es, dass sie das alles schon verarbeitet hat. "Glaub' das bloß nicht, ich kann es immer noch nicht richtig begreifen und muss es immer noch verdauen", merkt sie an.

Die gleiche Direktheit und Frische, die La Enana (die Zwergin) als offensive Mittelfeldspielerin auf dem Feld zeigt, offenbart sie auch abseits des Platzes mit ihren Worten.

"Ich habe es immer gesagt: Noch muss ich verstehen, was Frauenfussball wirklich bedeutet. Bis zur WM hatte ich keine Ahnung, wie sie ihn in Europa leben, wie viel die Mädchen verdienen, was es heißt, davon zu leben. Ich habe jedoch immer davon geträumt. Und nun ist das alles wirklich wahr geworden!"

Der Wendepunkt

Die junge Argentinierin spricht gelassen von ihren Anfängen und vom großen Wendepunkt in ihrer noch kurzen Karriere. "Ich musste nicht leiden so wie andere, die keine Chance bekommen. Ich konnte von klein an spielen. Zunächst mit Jungs, aber mit 13 Jahren bin ich zu River Plate gegangen und dann war alles anders."

Mit 17 Jahren bereits debütierte Ippolito in der ersten Liga und trainierte mit der argentinischen U-20-Auswahl. Dann kam auch schon die Berufung ins A-Nationalteam der Frauen, das sich auf die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™ vorbereitete.

Mit ihrer Aufnahme in den 23er-Kader sorgte Trainer Carlos Borrello für eine große Überraschung. Er nahm sie mit, damit sie Erfahrungen sammeln konnte. Dann wurde sie beim Stand von 0:3 gegen Schottland im letzten Gruppenspiel 20 Minuten vor dem Ende eingewechselt. Und damit änderte sich alles.

Diese kurze Zeit reichte aus, um ihr ganzes Potential zu zeigen. Immer wieder forderte sie den Ball, übernahm Verantwortung, schoss selbst aufs Tor oder gab eine Vorlage, wie beim Treffer von Milagros Menéndez, mit dem die historische Aufholjagd der Argentinierinnen begann.

"Ich habe versucht, ohne jeden Druck zu spielen, so wie ich es in meinem Viertel mit meinen Freunden tat", sagte sie nach dem 3:3 gegenüber FIFA.com. "Das gelang mir auch, aber was danach kam, das hatte ich mir nicht vorstellen können", erinnert sie sich heute lachend.

Das 'danach' war ein Wechsel zu UAI Urquiza und beeindruckende Spiele in der Copa Libertadores, so dass sie weiterhin im Fokus stand. Das ging so weit, dass ihr erster Verein, Jóvenes Deportistas de Lugano, sein Stadion nach ihr Dalila Ippolitobenannte, wodurch sie zur ersten argentinischen Fussballspielerin wurde, der diese Ehre zuteil wurde.

"Alles, was mit dem Frauenfussball in Argentinien seit der WM geschieht, ist beeindruckend, und das mit der Benennung des Stadions ist ein großer Erfolg für uns alle, die wir für die Gleichberechtigung kämpfen. Dass es dazu noch dort ist, wo ich anfing, macht es zu etwas ganz Besonderem für mich."

Von Italien zur Auswahl

Ippolito bemerkte rasch die Unterschiede zum Fussball, der in Italien gespielt wurde. "Er ist schneller und physischer. Jedes Training ist wie ein Spiel. Man gibt alles und das gefällt mir. Allerdings muss ich sagen, dass ich überall blaue Flecken habe!"

Wie zu erwarten war, ist das Niveau im Team sehr hoch. "Hier gibt es verschiedene italienische Nationalspielerinnen und wir spielen nicht nur in der Serie A, sondern auch in der Champions League. Das gibt mir ein wenig das Gefühl, bei einer WM zu spielen."

Argentina's Dalila Ippolito, new player of Juventus

Das wird auch der argentinischen Auswahl zugute kommen. "Ich denke immer auch an die Auswahl. Das, was ich erlebe, das erfahren auch die anderen Mädchen, die im Ausland spielen. Das wird es uns sicherlich ermöglichen, den Abstand zu den großen Nationen zu verringern", glaubt sie.

Auch der Gedanke, dass die CONMEBOL noch mehr Plätze für die WM 2023 zugesprochen bekommt, denn es wird die erste Endrunde mit 32 Nationen sein, begeistert sie. "Darauf freue ich mich besonders, es ist wie der Sieg bei der Copa América. Wir arbeiten hart und das Ganze wächst immer weiter. Langsam, aber beständig."

Ippolito weiß, dass ihr eine immer wichtigere Rolle zukommt, aber sie nimmt das gelassen auf. "Natürlich zählt die Erfahrung, aber manchmal ist sie auch eine Last. Man muss wissen, wie man sie kontrolliert und wann die Gruppe davon profitieren kann. Ich hoffe schon, dass ich eines Tages ein wichtiger Faktor bin."

Sie akzeptiert es auch, dass sie in Argentinien eine Vorbildfigur im Frauenfussball geworden ist. "Das ist schon toll, wenn man mein Alter bedenkt. Meine Vorbilder waren immer Männer. Ich wollte bei Barcelona spielen wegen Messi.

"Jetzt erhalte ich Hunderte von Nachrichten über die sozialen Netze von Mädchen, die wie ich sein möchten, was natürlich auch Verantwortung bedeutet. Ich muss ein gutes Bild abgeben, darf mich jedoch nicht verbiegen. Ich hoffe, dass mir das gelingt."

Dalila Ippolito of Argentina poses for a portrait

Fragen an Dalila

Was sie mitgenommen hat, damit sie es nicht vermisst? Mate-Tee, eine Playstation und die Anlage mit meiner Musik von Cumbia bis Reggaeton. Nein, in der Umkleidekabine wird meine Musik noch nicht aufgedreht!" (lacht)

Mit welchem Verein sie auf der Playstation spielt? "Mit Barça, wegen Messi, aber auch mit PSG und jetzt mit Juve. Daran gewöhne ich mich gerade. Ich wünsche mir das Frauenteam von Juve!"

Warum sie die Nummer 5 gewählt hat? "Ich hatte weniger interessante Optionen wie die 17, die 99 oder die 27. Ich wusste, dass Zidane mit der 5 gespielt hatte, aber die Zahl gefällt mir, weil das eine klassische Position in Argentinien ist."

Ob sie Cristiano Ronaldo kennen lernen möchte? "Das ist kein absolutes Muss, aber es würde mir schon gefallen. Ich habe übrigens auch Messi vor der Frauen-WM kennen gelernt. Dann könnte ich sagen, dass ich die beiden aktuell besten Spieler der Welt getroffen habe."


Dangmei: Mit Indien auf die größte Fussballbühne
28.08.20 - 11:30 - de.fifa.com

India forward Dangmei Grace runs with the ball

Rund um die Welt eifern unzählige Youngster ihren Vorbildern nach. Die indische Stürmerin Dangmei Grace hat sogar das große Glück, an der Seite ihres Vorbildes trainieren und spielen zu können.

Die junge Angreiferin gilt als eine der vielversprechendsten Spielerinnen Indiens, nachdem sie im vergangenen Jahr mit herausragenden Leistungen für Klub und Nationalteam glänzte. Sie trug acht Tore zum Titelgewinn des FC Sethu in der Indian Women's League 2019 bei und hatte auch auf der internationalen Bühne enormen Anteil an den beiden Titeln, die Indien bei der SAFF-Frauen-Meisterschaft 2019 und den Südasien-Spielen 2019 errang. Angesichts dieser Leistungen wurde sie als AIFF Newcomerin des Jahres 2019 ausgezeichnet.

Die Starspielerin, zu der sie aufblickt, ist niemand anders als ihre Partnerin im Nationalteam Ngangom Bala Devi, die Anfang des Jahres mit ihrem Wechsel zum schottischen Premier-League-Spitzenklub Glasgow Rangers für Schlagzeilen sorgte.

"Bala Devi ist ein enorm wichtiges Vorbild für mich", so die 24-jährige Stürmerin gegenüber FIFA.com. "Ihre Spielweise und ihre Motivation sind für uns sehr inspirierend.

"Und ihr Wechsel zu den Glasgow Rangers ist für uns alle ein großer Motivationsschub. Dass sie es schafft, für einen solch großen Klub zu spielen, zeigt uns, dass wir in ihre Fußstapfen treten können, wenn wir hart arbeiten und ein ähnliches Niveau erreichen. Sie ist eine wirklich große Inspiration für das ganze Team."

Devis Erfolg veranlasst auch Grace zu großen Träumen. Sie hofft nun ernsthaft, sich in Zukunft ihrem Lieblingsklub Chelsea anschließen zu können.

"Wir alle träumen davon, eines Tages in Europa zu spielen. Ich bin schon lange ein großer Fan von Chelsea und verfolge die Spiele des Männer- und des Frauenteams. Wann immer ich die Zeit finde, schaue ich die Spiele auf YouTube. Im Frauenteam steht mit Ji Soyun aus Südkorea schon eine Asiatin. Sie macht ihre Sache dort ziemlich gut und mir gefällt ihre Spielweise sehr."

"Ich würde liebend gern für Chelsea spielen, wenn ich die Chance bekomme. Das ist schon seit Langem mein Traum und natürlich weiß ich, dass ich sehr hart arbeiten muss, um diesen Traum zu verwirklichen."

Raketenhafter Aufstieg

Grace wurde 1996 in einem Dorf im indischen Bundesstaat Manipur geboren. Als 14-Jährige begann sie, für ein Jungenteam vor Ort zu spielen. Ihr Training begann jeden Tag um 15:30 Uhr. Damit hatte sie nach der Schule nur eine halbe Stunde Zeit.

"Ich musste so schnell wie möglich nach Hause, mich dort umziehen und dann zwei Kilometer laufen, um rechtzeitig zum Training bei meinem Team zu sein", erinnert sie sich an diese Zeiten.

2012 schloss Grace sich den Klub Kangchup Road Young Physical and Sports Association (KRYPHSA) an und entwickelte sich dank der Führung von Trainerin Chaoba Devi Langam schnell von einem Rohdiamanten zu einer vielversprechenden Spielerin.

Dank ihrer enormen Fortschritte feierte Grace schon im folgenden Jahr ihr Debüt in der Frauen-Nationalmannschaft in einem Qualifikationsspiel für den AFC Asien-Pokal der Frauen gegen Palästina. Seitdem hat sie 38 Länderspiele absolviert und 13 Tore erzielt.

Bei der AFF-Frauen-Meisterschaft im vergangenen Jahr setzte Grace auch auf regionaler Ebene ein beeindruckdendes Ausrufezeichen. Auf dem Weg zum Titelgewinn erzielte sie drei Tore für ihr Team. Im Finale gegen Gastgeber Nepal stand es in der zweiten Halbzeit 1:1, als Grace der neuerliche Führungstreffer für ihr Team gelang, das am Ende einen 3:1-Sieg feierte.

"Das war mein bisher bestes Turnier", freut sie sich. "Die schönsten Erinnerungen habe ich natürlich an das Finale. Unser Gegner war Gastgeber Nepal, der uns beim Hero Gold Cup noch besiegt hatte. Im Stadion waren viele nepalesische Anhänger, die ihr Team mit lauten Gesängen anfeuerten. Das war eine riesige Herausforderung."

"Vor dem Spiel hatten wir alle, Spielerinnen und Betreuer, uns fest vorgenommen, den Sieg zu holen. Das war sehr emotional. Wir alle gingen mit dem festen Willen ins Spiel, alles zu geben und den Titel für unser Land zu holen. Wir gingen sehr stark ins Spiel und haben es geschafft, obwohl wir zwischenzeitlich das 1:1 kassierten. Ich war sehr glücklich, dass mir das zweite Tor für unser Team gelang."

Zum Jahresende feierte Grace mit dem indischen Team noch einen weiteren regionalen Titelgewinn, nämlich bei den Südasien-Spielen. "Unser Team eilt von Erfolg zu Erfolg und unsere Spielweise hat sich deutlich verbessert. Wir haben bereits gezeigt, dass wir im südasiatischen Raum das Spitzenteam sind."

Große Träume für 2023

Auf regionaler Ebene hat Indien mittlerweile eine starke Position erreicht. Auf globaler Ebene hingegen hinterließ das Team bisher nur wenig Eindruck und konnte sich noch nie für eine FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ qualifizieren. Die Qualifikation für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Australien/Neuseeland 2023™ allerdings findet in Form des AFC Asien-Pokals der Frauen teilweise in Indien statt. Entsprechend groß sind die Hoffnungen, dass es dieses Mal klappen könnte.

"Wenn wir uns ab sofort mit diesem Ziel vor Augen intensiv vorbereiten, haben wir als Gastgeber durchaus Chancen, uns für die WM-Endrunde zu qualifizieren", ist Grace überzeugt. "Wir alle müssen zusammen an einem Strang ziehen, eine positive Grundeinstellung bewahren und als Team hart arbeiten. Dann kann unser WM-Traum wahr werden."

"Dank der Unterstützung durch unseren Fussballverband AIFF hat sich das Frauen-Nationalteam in den vergangenen Jahren sehr schnell und sehr deutlich verbessert. Wir haben viele Länderspiele gegen starke Gegner absolviert und eine Menge internationaler Erfahrung gesammelt. Wir werden weitere Fortschritte machen. Schon heute begegnen wir den besten Teams Asiens auf Augenhöhe, und schon bald auch auf Weltniveau. Wenn wir in der Qualifikation tatsächlich Erfolg haben, würde dies eine absolute Umwälzung für den Frauenfussball in Indien bedeuten."


2023 wird ein weiteres Mal zeigen, wie weit der Frauenfussball es gebracht hat
18.08.20 - 06:53 - de.fifa.com

Carli Lloyd celebrates scoring for USA at the 2020 SheBelieves Cup.

Kaum eine andere Spielerin kann auf eine derart ereignis- und erfolgreiche Karriere zurückblicken wie U.S.-Superstar Carli Lloyd. Mal als Mittelfeldspielerin, mal als Stürmerin eingesetzt, spielte sie eine wichtige Rolle beim Gewinn zweier WM-Titel und zweier Goldmedaillen.

Sie erzielte sowohl bei den Olympischen Spielen 2008 als auch 2012 Tore zum Gewinn der Goldmedaille. Bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™ wurde sie zur besten Spielerin des Turniers gewählt, nachdem sie erneut maßgeblichen Anteil an mehreren Siegen der USA hatte. Sie krönte ihren Auftritt mit dem unvergesslichen Hattrick im Finale des Turniers.

Das Alter kann ihr scheinbar nichts anhaben, nicht zuletzt, weil sie mit eiserner Disziplin trainiert. Nun plant Lloyd für die nächsten Olympischen Spiele in Tokio.

FIFA.com sprach mit der U.S.-Starspielerin über ihre Lebensweise während der Fussball-Zwangspause, ihre Erwartungen an die Olympischen Spiele, die Vorliebe für große Spiele und ihre Gedanken zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023™ in Australien und Neuseeland.

FIFA.com: Carli, es ist bekannt, dass sie besonders intensiv und eisern trainieren. Haben Sie während der COVID-19-Zwangspause Ihr Training oder Ihre Lebensweise verändert?

Carli Lloyd: Eigentlich hat sich an meiner Lebensweise kaum etwas geändert. Ich hatte allerdings mehr Zeit, mich auf mein ganz individuelles Training zu konzentrieren. Für mich war es mal eine ganz angenehme Abwechslung, dass ich nicht ständig zu irgendwelchen Auftritten oder Fototerminen reisen musste. Ich habe mein Training auch nach dem SheBelieves Cup fortgesetzt und es hat auch alles prima geklappt, bis ich mich am Knie verletzt habe.

Wie sind Sie damit zurecht gekommen, so lange nicht für Ihren Klub oder Ihr Land auf dem Spielfeld antreten zu können?

Ich liebe den Fussball. Ich lebe und atme ihn, aber ehrlich gesagt hat diese Pause im Leben, in der alles stillstand, mal ganz gut getan. Ich konnte mehr Zeit mit meinem Mann Brian verbringen, in unserem Haus sein und einfach mal in den Tag leben und sehen, was kommt. Sicher vermisse ich die Spiele und meine Teamkameradinnen und Wettbewerbe, aber wenn ich aufs Feld zurückkehre, werde ich bereit und motivierter als je zuvor sein.

Hatten Sie in den vergangenen Monaten Gelegenheiten, auch mal etwas außerhalb des Fussballs zu tun?

Zum ersten Mal in meiner Karriere stand der Fussball nicht stets und ständig an erster Stelle. Ich musste mich mit einer hartnäckigen Verletzung herumschlagen, aber auch das hat dazu beigetragen, dass ich mich mal geistig und auch körperlich auf etwas Anderes als den Beruf konzentrieren konnte, was mal eine nette Pause war. Ich hatte mehr als drei Jahre keine ernste Verletzung. Ich denke, dass dies die Art und Weise ist, wie mein Körper mir zeigt, dass es an der Zeit für eine Pause und etwas Erholung ist. Ich habe mehr Zeit in der Küche verbracht, Zeit für meine Familie und Freunde gehabt und ein paar Ausflüge an die Küste von Jersey gemacht. Ich weiß, dass ich eines Tages auf diese Zeit zurückblicken und diese Monate sehr schätzen werde, in denen ich innehalten, nachdenken und die Pause im Leben genießen konnte.

Wie sehr motiviert Sie der Gedanke an eine weitere Teilnahme an den Olympischen Spielen?

Natürlich finde auch ich es schade, dass die Olympischen Spiele nicht in diesem Sommer stattfinden konnten. Doch das ermöglicht meinem Team und mir, ein ganzes Jahr länger zu trainieren und uns vorzubereiten. Ich freue mich sehr und werde hochmotiviert sein, aufs Feld zu gehen und mich von meiner besten Seite zu zeigen.

Sie haben eine unglaubliche persönliche Bilanz in großen Endspielen. Gibt es einen Aspekt Ihrer mentalen Einstellung, der Ihnen bei den ganz großen Spielen hilft?

Ich blühe in Drucksituationen besonders auf. Je größer der Druck, desto besser spiele ich. Es liegt mir einfach im Blut, mich dann ganz besonders reinzuhängen und meinem Team zum Sieg zu verhelfen. Meine mentale und körperliche Vorbereitung ist der Schlüssel dazu, in solch großen Momenten Topleistungen zu bringen.

Sie scheinen gegen das Altern immun zu sein. Wie geht es Ihnen körperlich in der zweite Hälfte Ihrer Karriere?

Ich fühle mich hervorragend. Der Fussball war schon seit Beginn meiner Karriere stets meine absolute Nummer 1. Wenn ich nicht auf dem Feld bin, achte ich darauf, mich richtig zu ernähren, gut zu schlafen, die zur Erholung nötigen Dinge zu tun und richtig zu trainieren. Dass ich all diese Aspekte konsequent und konstant beachte, hat mir ermöglicht, in Bestform zu bleiben und meine Karriere so lange fortzusetzen. Fussball ist ein Vollzeitjob. Wenn man ihn wie einen Halbtagsjob betreibt, funktioniert es nicht.

USA's Carli Lloyd salutes the supporters

Schließen Sie aus, bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ 2023 noch zu spielen?

Ich möchte eigentlich nie etwas von vornherein ausschließen, aber das scheint mir doch etwas weit hergeholt. Ich werde jedenfalls wissen, wann es an der Zeit ist, die Stiefel an den Nagel zu hängen. Körperlich fühle ich mich noch sehr gut. Ich wache immer noch jeden Tag auf und freue mich auf das Training, und ich spiele auch noch immer gern. Aber es gibt auch andere Dinge im Leben, für die ich Zeit haben möchte, bevor ich zu alt bin. Mein Mann und ich wollen eine Familie gründen und ich möchte mein Leben noch etwas genießen können, bevor die Kinder kommen.

Zum Abschluss noch diese Frage: Was sagen Sie dazu, dass die WM in Australien und Neuseeland stattfindet?

Ich freue mich sehr, dass Australien und Neuseeland die FIFA Frauen-WM 2023™ ausrichten werden. Ich bin sicher, dass es ein tolles Spektakel und eine herausragende WM wird. Der Frauenfussball bringt immer wieder beeindruckende Talente hervor. Dort wird sich ein weiteres Mal zeigen, welch große Fortschritte erreicht wurden und wie wichtig es ist, in die Entwicklung des Spiels zu investieren.