Neuseeland hilft Trainerinnen beim Überwinden von Barrieren
15.03.21 - 11:04 - de.fifa.com

New Zealand Female Coach Mentorship Programme

Trotz gewisser Fortschritte im vergangenen Jahrzehnt ist das Training im Fussball weitgehend von Männern dominiert. Bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2007 wurden lediglich drei der 16 teilnehmenden Teams von Trainerinnen geführt. Bei der WM 2019 in Frankreich waren es immerhin bereits neun Trainerinnen bei 24 teilnehmenden Teams.

Bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023 in etwas mehr als zwei Jahren dürfte diese Zahl wohl weiter steigen. In Neuseeland - zusammen mit Australien Gastgeber der nächsten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft - gibt es Pläne, die unsichtbaren Barrieren nicht nur zu verschieben sondern vollständig zu durchbrechen .

Ein sichtbarer Beweis dafür ist das Trainerinnen-Mentoren-Programm des neuseeländischen Fussballverbands NZF. Das Programm wird den Teilnehmerinnen wertvolle Hilfe leisten, doch es geht auch um Sichtbarkeit, Vorbilder und die Veränderung der Wahrnehmung von Trainerinnen. Ashleigh Cox, Entwicklungsbeauftragte beim NZF, erzählt, einige Frauen befürchteten, bei bestimmten Kursen die einzigen weiblichen Teilnehmerinnen zu sein.

Die Teilnehmerinnen werden von drei neuseeländischen Spitzentrainerinnen betreut, nämlich Gemma Lewis - die am FIFA Trainerinnen-Mentorenprogramm 2019 teilnahm - Natalie Lawrence und Maia Vink. Die Gesamtleitung des Programms liegt bei Tom Sermanni, dem Cheftrainer der Football Ferns.

Die Qualität der Bewerberinnen war so hoch, dass die Anzahl der Teilnehmerinnen auf neun angehoben wurde. Darunter sind aktuelle Trainerinnen und Assistenztrainerinnen aus der nationalen Liga, die Kapitänin von Capital Football Katie Barrott und die frühere W-League-Stammspielerin Maika Ruyter-Hooley.

Die bekannteste Teilnehmerin ist allerdings Katie Duncan. Sie war mehr als ein Jahrzehnt lang kaum aus dem neuseeländischen Mittelfeld wegzudenken, bevor sie kurz nach ihrer vierten WM-Teilnahme 2019 in Frankreich ihren Rücktritt aus dem Nationalteam erklärte.

Nun startet sie in einen neuen Abschnitt ihrer Karriere. Das Programm bietet ihr einen enormen indirekten Nutzen, indem es Spielerinnen beim Übergang vom Sportler zum Trainer hilft.

"Ich liebe das Gefühl, immer noch Teil eines Teams zu sein. Dieser Aspekt des Coachings hat mir wirklich beim Übergang vom aktiven Spielen zur Arbeit an der Seitenlinie geholfen", so Duncan gegenüber FIFA.com. "Es ist großartig, dass so viele eifrige und junge Frauen von den Erfahrungen und dem Wissen, das ich weitergeben kann, lernen wollen. Ganz besonders genieße ich die Herausforderungen, die mit dem stetigen Lernen und dem Willen zur Verbesserung einhergehen."

Die 125-malige Nationalspielerin sagt, dass es traditionell mehrere Hemmnisse für Frauen in Trainerberufen gibt. "Wir sehen zwar eine langsame Zunahme der Anzahl von Frauen im Fussball, doch es gibt im Allgemeinen offensichtlich verschiedene Gründe, warum die Zahl der Trainerinnen immer noch relativ gering ist.

"Ich denke, dass allein die Tatsache, dass es an Vorbildern für junge Spielerinnen mangelt, ein wichtiger Faktor ist. Doch es gibt noch viele weitere Beispiele. Ich kenne die Herausforderungen, eine junge Familie zu haben, aus eigener Erfahrung. Es ist nicht leicht, die richtige Balance zu finden, wenn man gleichzeitig Mutter und Frau ist. Ein weiterer Faktor ist die unterschiedliche Bezahlung von Trainern im Frauenfussball und im Männerfussball."

Mittlerweile steht die erste FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in der südlichen Hemisphäre an und der neuseeländische Verband sorgt dafür, dass auch abseits des Spielfelds ein gutes Fundament gelegt wird. Wir hoffen, dass wir mit diesem Programm nicht nur die Türen für mehr Frauen öffnen, die eine Karriere als Trainerin auf fortgeschrittenem Niveau anstreben, sondern auch mehr Frauen dazu inspirieren, Trainerjobs auf kommunaler Ebene zu übernehmen, wenn mehr weibliche Instruktorinnen vor Ort sind, um Kurse zu geben", so Co.

"Die Teilnehmerzahlen steigen stetig, es steht eine FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in unserem Vorgarten an und es gibt den echten Willen, mehr Trainerinnen im Fussball zu haben. Wir sehen darin die Gelegenheit, einige wichtige Führungskräfte zu entwickeln, die dann die nächste Generation von Frauen ausbilden, betreuen und inspirieren können, ebenfalls Trainerinnen zu werden."


Fidschi betritt im Vorfeld der WM 2023 Neuland
07.03.21 - 07:22 - de.fifa.com

Fiji Women's Super League season launch

Wer an Fidschi denkt, sieht meist Bilder von palmengesäumten Sandstränden und türkisblauem Wasser vor sich. Dieses tropische Paradies ist dort tatsächlich zu finden. Allerdings hat die melanesische Inselnation darüber hinaus auch noch eine überraschend starke Fussball- und Sportkultur vorzuweisen.

Fidschi gehörte zu den Fussball-Pioniernationen im Pazifikraum. Das Team nahm deutlich früher als alle anderen ozeanischen Nationen an der Seite von Australien und Neuseeland an der WM-Qualifikation teil. Der unvergessliche Sieg gegen die starken Socceroos 1988 auf dem von Fröschen übersäten Spielfeld im Prince Charles Park in Nadi lebt bis heute im Bewusstsein der Sportfans fort.

Nun wird das Fundament für ein weiteres Kapitel im Fussball Fidschis gelegt. Die ersten Erfolge sind überaus ermutigend. An diesem Wochenende gab es einen wichtigen Meilenstein für den Frauenfussball, denn die von der FIFA unterstützte nationale Frauenliga (Women's Super League) mit sechs Teams ging offiziell an den Start. Die FIFA stellt hierbei Ausrüstung, Finanzierung und Kompetenzförderung für Trainer bereit. Kürzlich wurde zudem ein Zuschuss für den Frauenfussball verabschiedet.

Opening round of the Fiji Women’s Super League 

Die umfangreichen Aktivitäten zeigen einmal mehr, welche positiven Auswirkungen die Ankündigung im Vorjahr hatte, dass die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023™ in der Region stattfindet. Die OFC hat einen Platz in dem neuen Play-Off-Event sicher, das im Vorfeld der Endrunde in Australien und Neuseeland ausgetragen wird.

Vor zwei Jahren gelang Fidschi in der WM-Qualifikation ein absoluter Achtungserfolg, als das Team das kontinentale Entscheidungsspiel gegen Neuseeland erreichte. Zuvor war lange Zeit Papua-Neuguinea die führende pazifische Inselnation gewesen, bis Fidschi diese Vorherrschaft Ende 2018 durchbrechen konnte.

Angesichts der im kommenden Jahr angesetzten Qualifikation für 2023 ist Nationaltrainerin Marika Rodu sehr erfreut über den neuen Wettbewerb. "Ein Ziel besteht darin, dass alle Teams eine offene Spielphilosophie praktizieren, damit das Zuschauen für die Fans zum Vergnügen wird", so Rodu.

"Das verschafft uns die Möglichkeit, Schwächen der einzelnen Teams und Spielerinnen zu erkennen. Diese Erkenntnisse leiten wir dann an die Trainerinnen und Trainer weiter. So soll das spielerische Niveau gesteigert werden. Letztlich werden sich die Spielerinnen entwickeln und im Wettbewerb gefordert, was auch das Niveau der Nationalmannschaft steigern wird."

Fiji Women's Super League season launch

Naziah Ali, Vorstandsmitglied des Fussballverbands von Fidschi und Teilnehmerin am FIFA-Programm für Frauen in Führungspositionen im Fussball sagt, es sei an der Zeit, zwei Jahre vor der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023 weitere Impulse zu setzen. "Seit der letzten Frauen-WM in Frankreich sieht die Welt den Frauenfussball in einem positiveren Licht und wir wollen diesen Schwung nutzen, wenn die WM in unsere Region kommt", sagte sie gegenüber FIFA.com.

"Wir haben nicht nur die Chance, uns für die Play-Offs zu qualifizieren, sondern auch in allen anderen Belangen viel zu gewinnen, wenn die Welt ihre Augen auf die Pazifikregion richtet. Als eine Region, die im Vergleich zu Europa und Nord- und Südamerika eine viel weniger entwickelte Frauenfussball-Szene hat, hoffen wir, dass wir mit der erhöhten Medienaufmerksamkeit mehr Frauen und Mädchen zur Teilnahme inspirieren und mehr Sponsoren anziehen können, die in den Sport investieren."

Ali erläutert, dass der Fussballverband von Fidschi gerade eine strategische Planung verabschiedet hat, in der die Förderung und Entwicklung des Frauenfussballs eine enorm wichtige Rolle spielt. "Die Finanzen sind für die Entwicklung des Frauenfussballs von großer Bedeutung. Wir wollen in allen Bereichen Verbesserungen sehen, im Spiel, bei den Teams, den Spielerinnen, den Trainern und in der Administration", sagte sie.

"Seit den Anfängen in den 90er Jahren haben wir bereits viel geschafft. Vor einigen Jahren waren wir noch gar nicht gelistet und nun belegen wir Platz 65 in der Frauen-Weltrangliste. Das ist ein sehr guter Start für eine kleine Nation wie uns. Wir sind sehr ambitioniert und wollen uns für die nächste FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ qualifizieren.

Wir hoffen, dass möglichst viele junge Mädchen in Fidschi den Weg zur WM verfolgen und sich inspirieren lassen, Fussballerinnen zu werden."

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zum Thema Frauenfussball und Frauen im Fussball anlässlich des Internationalen Frauentags 2021. Um mehr über die Frauenfussballstrategie und die Entwicklungsprogramme der FIFA zu erfahren und weitere Artikel wie diesen zu lesen, klicken Sie hier.


Informationen zur Frauen-Weltmeisterschaft und zu Jugendwettbewerben der Männer
24.12.20 - 20:00 - de.fifa.com

Hannah Wilkinson, Tameka Yallop, Paige Satchell and Annalie Longo do keepy-ups

Der FIFA-Ratsausschuss hat heute verschiedene Beschlüsse zu anstehenden FIFA-Wettbewerben gefasst.

Nach dem überwältigenden Erfolg der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019™ hat die FIFA im letzten Jahr beschlossen, das Teilnehmerfeld ab 2023 auf 32 Teams zu erweitern, um die Entwicklung des Frauenfussballs noch stärker zu fördern. In enger Absprache mit den Konföderationen hat die FIFA eine mögliche Aufteilung der Startplätze für die Ausgabe 2023 skizziert, die heute vom FIFA-Ratsausschuss wie folgt bestätigt wurde:

Aufteilung der direkten Startplätze (29 der 32 Startplätze)

Die beiden gastgebenden Länder, Australien und Neuseeland, sind automatisch für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023™ qualifiziert. Ihre Startplätze werden dem Kontingent der betreffenden Konföderationen (AFC und OFC) belastet.

Play-off-Turnier für die drei restlichen Startplätze

Die drei restlichen Startplätze werden bei einem Turnier mit zehn Teams vergeben. Dessen Startplätze verteilen sich wie folgt:

Format des Play-off-Turniers

Vier Teams werden für das Turnier gesetzt. Grundlage ist die letzte FIFA/Coca-Cola-Frauenweltrangliste, die vor der Auslosung des Play-off-Turniers veröffentlicht wird, wobei pro Konföderation maximal ein Team gesetzt wird.

Teams derselben Konföderation dürfen nicht in dieselbe Gruppe gezogen werden.

Das Play-off-Turnier dient Australien und Neuseeland als Generalprobe für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™, wobei die Teams beider Gastgeber zu Freundschaftsspielen gegen die Teams in den Gruppen 1 und 2 eingeladen werden, damit alle Teams beim Play-off-Turnier zwei Spiele bestreiten können.

FIFA U-20-Weltmeisterschaft™ und FIFA U-17-Weltmeisterschaft™

Infolge der COVID-19-Pandemie hat der FIFA-Ratsausschuss beschlossen, die Ausgaben 2021 der FIFA U-20-Weltmeisterschaft™ und der FIFA U-17-Weltmeisterschaft™ abzusagen und die Ausgaben 2023 an Indonesien und Peru zu vergeben, die die Turniere 2021 hätten veranstalten sollen.

Die COVID-19-Pandemie stellt die Veranstalter internationaler Sportveranstaltungen weiterhin vor Probleme und schränkt internationale Reisen ein. Angesichts dessen führte die FIFA regelmäßig Gespräche mit den zuständigen Parteien, einschließlich der ausrichtenden Verbände dieser Turniere sowie der entsprechenden Konföderationen. Dabei wurde offensichtlich, dass sich die Lage weltweit noch immer nicht derart normalisiert hat, dass die mit der Ausrichtung der beiden Turniere verbundenen Probleme hätten gelöst werden können. Dies gilt auch für die Durchführung der nötigen Qualifikationswettbewerbe.

Die FIFA dankt den ausrichtenden Mitgliedsverbänden sowie den Behörden von Indonesien und Peru für ihr Engagement und die bisherige Turniervorbereitung. Die FIFA freut sich, gemeinsam mit den gastgebenden Ländern erfolgreiche Turniere zu veranstalten.


Schaffung neuer Wege für indigene Australier
16.11.20 - 12:52 - de.fifa.com

Shadeene Evans (L) and Jada Whyman - John Moriarty Football Indigenous Football Week ambassadors

Die Leidenschaft für den Sport ist auch bei indigenen Australiern tief verwurzelt. Zahlreiche Quellen berichten von Ballspielen, die von den indigenen Einwohnern des Landes gespielt wurden, lange bevor es in Down Under kodifizierten Fussball gab.

Die ersten australischen Sportler, die nach Übersee reisten, waren indigene Cricket-Spieler, die sich 1868 auf den Weg nach England machten.

Australier mit Aboriginal-Abstammung waren auch bei einigen wichtigen Stationen der Fussballgeschichte des Landes dabei. So spielte beispielsweise Harry Williams für die Socceroos bei deren WM-Debüt 1974.

Kyah Simon erzielte den Treffer, der den Matildas 2011 ihren ersten Sieg gegen ein europäisches Team bei einer FIFA Frauen-WM™ brachte. Vier Jahre später war es erneut Simon, die den Siegtreffer gegen Brasilien erzielte, als Australien erstmals ein K.o.-Spiel bei einem WM-Turnier gewann. Im Tor stand damals die athletische Torhüterin Lydia Williams – die Tochter eines Noongar-Stammesführers – und sorgte dafür, dass Marta und Co. nicht zum Erfolg kamen.

Dennoch ist die Teilhabe indigener Australier bei anderen Sportarten noch höher. Doch ein Mann versucht fortlaufend, das bestehende Ungleichgewicht zu verringern.

John Moriarty ist so etwas wie die Vaterfigur für Australiens indigene Fussballgemeinschaft. Er wurde in einem abgelegenen Teil des Northern Territory geboren. Seine Lebensgeschichte nahm einige unerwartete Wendungen. So wurde Moriarty als erster indigener Australier für die Fussball-Nationalmannschaft nominiert, doch dann wurden die für 1960 angesetzten Spiele abgesagt. Seine Leidenschaft für Kunst schlug sich in der auffälligen Sonderlackierung einiger Flugzeuge von Qantas mit auffälligen Aboriginal-Motiven nieder.

Doch die größte Leidenschaft des mittlerweile 82-Jährigen besteht darin, jungen indigenen Fussballern neue Entfaltungswege zu eröffnen. Das wichtigste Hilfsmittel zu diesem Zweck ist die John-Moriarty-Stiftung [JMF].

In der vergangenen Woche gab es die fünfte Auflage der Indigenen Fussballwoche IFW der JMF. Das Festival wurde zeitgleich mit der NAIDOC-Woche für Aboriginals an drei Standorten abgehalten, darunter auch der kleine Ort Tennant Creek im australischen Outback.

In den vergangenen Jahren gab es auch im indigenen Frauenfussball ein starkes Wachstum. Gema Simon wurde für Australiens WM-Kader 2019 nominiert, und hätte sich nicht ihre Cousine Kyah verletzt, wären erstmals drei Spielerinnen mit indigenen Wurzeln im Kader der Matildas vertreten gewesen.

Zwei Botschafterinnen der Indigenen Fussball-Woche machen sich Hoffnungen auf eine Teilnahme, wenn das größte Frauenfussballturnier der Welt 2023 in Down Under stattfinden wird. Die beiden W-League-Akteurinnen Shadeene Evans und Jada Whyman fungierten als Vorbilder zum Anfassen für 1200 teilnehmende Youngster im Alter von 10 bis 18 Jahren.

Evans kommt aus Moriartys Heimatort Borroloola, der einen ganzen Tag von der nächsten größeren Stadt entfernt liegt. Doch dank der Jason-Moriarty-Stiftung hat Evans den langen Weg geschafft und kickt jetzt nicht mehr auf staubigen roten Sandplätzen, sondern genießt in Sydney intensives Training. Sie spielt für das Meisterteam des FC Sydney und wurde bereits für die Young Matildas nominiert.

Inspiriert von Evans' Erfolgsgeschichte lautet das Motto des diesjährigen Festivals 'Pathways – Entwicklungswege'. Es zielt darauf ab, jungen Spielerinnen und Spielern Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen, die sonst möglicherweise unentdeckt blieben.

In diesem Jahr hat die JMF ein neues Stipendium-Programm aufgelegt. Es soll nicht nur talentierte Akteure fördern, sondern starkes schulisches und gesellschaftliches Engagement positive Veränderungen herbeiführen.

Das neue Programm stellt in den Gemeinden Stipendien für ausgewählte Athleten bereit. Dabei erfolgt eine intensive, individuelle Betreuung für jeden einzelnen Sportler. Außerdem werden Schulbedarf und Schreibwaren gestellt, ein Platz bei einem Partner-Fussballklub in der Region vermittelt sowie die Kosten für Fussballausrüstung und Reisen übernommen.

"Fussball bedeutete für mich nicht nur die Möglichkeit, selbst zu spielen, sondern brachte auch viele weitere Möglichkeiten mit sich", so Moriarty über seine eigenen Erfahrungen. "Er hat mir die Möglichkeit eröffnet, viele Dinge auf vielen Gebieten zu tun.

Junge Spieler können hier nicht nur ihr fussballerisches Können verbessern. Wenn sie gut genug sind, können Sie vielleicht sogar für ihr Land antreten und im Ausland spielen. Der Fussball hat mir einen großartigen Start ermöglicht. Aus diesem Grund haben wir unser Programm ins Leben gerufen."


"Ein Kuss für zwanzig Cent" – Die Anfänge des neuseeländischen Frauenfussballs
02.11.20 - 08:46 - de.fifa.com

New Zealand's team at the 1975 AFC Women's Championship

Wenn 2023 die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ in Down Under beginnt, wird seit dem ersten Länderspiel einer neuseeländischen Frauen-Nationalmannschaft fast ein halbes Jahrhundert vergangen sein. Das Team debütierte 1975 bei der ersten Auflage des Turniers, aus dem später der AFC Asien-Pokal der Frauen wurde.

Die Aussage, dass sich der Frauenfussball in Neuseeland seit den Anfangszeiten dramatisch verändert hat, wäre eine enorme Untertreibung.

Eine Einladung der asiatischen Frauenfussballkonföderaton brachte die damals drei aktiven Frauenfussballverbände im Land – Auckland, Wellington und Canterbury – dazu, in aller Eile den neuseeländischen Frauenfussballverband zu gründen.

"Unsere erste Aufgabe bestand darin, irgendwie das Geld zusammenzubekommen", erzählte Barbara Cox, die erste Spielführerin Neuseelands, gegenüber FIFA.com.

"Eine Methode bestand darin, in den Pub zu gehen und einen Kuss für 20 Cent anzubieten. Man konnte auch mit einer Spendenbüchse die Straße rauf- und runterlaufen und die Menschen direkt ansprechen, ob sie bitte etwas Geld spenden würden. Vier von uns waren tatsächlich so unterwegs und haben etwas Geld zusammengebracht."

"Es gab damals nicht sonderlich viele Möglichkeiten, Geld aufzutreiben. Daher haben wir auch Autos gewaschen. Die Regierung steuerte auch ein bisschen bei, und jede von uns musste 100 Dollar aus der eigenen Tasche bezahlen."

"Nach unserer Ankunft in Hongkong ging ich zunächst los, um Fussballschuhe zu kaufen. Die Hersteller dachten damals nicht im Traum daran, dass auch Frauen spielten. Wenn man kleine Füße hatte, musste man mit Kinderschuhen spielen. Wir mussten also die ganze Zeit in brandneuen Schuhen spielen, was man heutzutage niemals tun würde."

Dass der Frauenfussball damals noch ganz am Anfang stand wird an der Tatsache deutlich, dass Cox erst zwei Jahre vor ihrem Debüt im Nationalteam mit dem Fussball begonnen hatte.

Kulturelle Barrieren

Die Neuseeländerinnen holten trotzdem vier Siege in vier Spielen, die damals jeweils 60 Minuten dauerten. Die Kiwis gewannen das Turnier mit einem Abschlusssieg gegen Thailand, nachdem sie sich im Halbfinale gegen Australien durchgesetzt hatten.

"Wir hatten beeindruckende Publicity, als wir zurückkamen. Am Flughafen warteten Presse, Radio und TV." Es gab verdiente Anerkennung für die Leistungen des Teams, aber auch herablassende Schlagzeilen wie "Bräute am Ball" oder "Fussball wird Weibersache".

Nach dem Erfolg von Hongkong wurde 1976 ein einwöchiger nationaler Wettbewerb ausgespielt. Schon bald hatte jede Region einen eigenen Frauenverband gegründet. Allerdings mussten verschiedene Hürden überwunden werden.

"Wir hatten immer wieder Probleme, Zugang zu den Plätzen zu bekommen. Oftmals mussten wir auf Schulsportplätzen spielen", erinnert sich Cox. "Man kam immer schon umgezogen zum Spiel, weil man nie wusste, welche Anlagen man vorfinden würde."

"Ein weiteres Problem war, dass viele Klubs einfach keine Frauen akzeptierten. Es gab viele Männer, die unbedingt verhindern wollten, dass wir in ihr "Revier" eindrangen. Oder man dachte, wir würden uns verletzen. Und natürlich gab es auch viele Kommentare nach dem Motto, "Ihr solltet ohnehin nicht spielen, weil das nicht ladylike ist."

"Aber es gab auch viele Männer, die uns halfen. Das war unbezahlbar, denn natürlich gab es damals keine Frauen, die Erfahrung als Trainerinnen hatten. Das war schon ziemlich bizarr. Auf der einen Seite Männer, die uns wirklich helfen wollten und auf der anderen solche, die uns nicht in ihrer Nähe haben wollten."

New Zealand in action at the 1975 AFC Women's Championship

Familienbande

Barbaras Ehemann Roy, der in seiner Jugend für Brentford und Queens Park Rangers gespielt hatte, half beim Aufbau des ersten Frauenteams bei seinem Klub Mt Eden in Auckland. Die beiden Töchter Michele und Tara spielten ebenfalls für Neuseeland.

Die beiden Schwestern trugen 1987 sogar gemeinsam die neuseeländischen Farben, wahrscheinlich als erstes Geschwisterpaar der Welt. Die beiden ergänzten sich in einigen Spielen für Neuseeland in der Innenverteidigung perfekt.

"Michele war eine viel bessere Spielerin als ich, mit viel besserer Technik. Als wir erstmals im Klub zusammen spielten, vergaß ich mich kurz und rief ihr zu: "Los, Mäuschen, pass den Ball zu mir.' "

Cox freut sich schon sehr auf die einzigartige Perspektive einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ im eigenen Land.

"Die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2008 in Neuseeland veränderte die Auffassung der Leute – meist Männer - die erkannten, dass junge Frauen wirklich gut spielen können. Ich bin sicher, dass man 2023 geradezu schockiert sein wird, wie hoch das Niveau mittlerweile ist."

"Heute ist es ganz normal, dass Frauen Fussball spielen. Es hat ziemlich lange gedauert, doch ich denke, die Weltmeisterschaft wird das noch einmal auf ein anderes Niveau bringen. Ich wäre nicht überrascht, wenn nach dieser Weltmeisterschaft deutlich mehr Geld in den Frauensport fließt, in Australien und auch in Neuseeland."

"Ich habe schon immer gesagt, dass Frauen ebenso gut wie Männer spielen können - bloß eben nicht ganz so schnell und nicht ganz so kraftvoll. Als Sport-Soziologin war mir das schon immer klar. Wir hatten eben früher keinen Zugang zu erstklassigen Trainern, erstklassigem körperlichen und mentalen Training. Heute trainieren Frauen auf die gleiche Weise wie Männer – und man sieht ja, welche Früchte das trägt."

Simon: Cathy Freemans Erfolg hallt immer noch in mir nach
27.10.20 - 07:26 - de.fifa.com

Kyah Simon at Penrith Stadium in 2017

Vor 20 Jahren erlebte Australien einen seiner größten sportlichen Momente. Cathy Freeman einte die ganze Nation, als sie mit ihrem Sieg beim 400-m-Lauf bei den Olympischen Spielen von Sydney als erste indigene Australierin eine Olympische Goldmedaille in einer Einzeldisziplin holte.

Ganz in der Nähe im Westen Sydneys schaute damals die neunjährige Kyah Simon gebannt und voller Stolz und Freude zu. Die Inspiration war unermesslich und, was noch wichtiger ist, sie erwies sich als zeitlos.

Wann immer Australien einen Meilenstein bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ erreichte, war Kyah Simon ein wichtiger Faktor in der Erfolgsformel. Simon erzielte das einzige Tor der Partie, als Australien bei der WM 2015 in Kanada den bis heute einzigen Sieg in der K.o.-Phase einer Weltmeisterschaft feierte – ausgerechnet gegen Brasilien. Simon war vier Jahre zuvor die erste indigene Australierin, die ein WM-Tor erzielte, als die Matildas zum ersten und bis heute einzigen Mal bei einer WM einen europäischen Gegner besiegten.

Simon ist stolz auf ihre indigenen Wurzeln und verfügt über eine wichtige Qualität, die man nicht trainieren kann. Ex-Nationaltrainer Tom Sermanni nannte es ein "angeborenes Spielverständnis". Simon war es auch, die sich als 18-Jährige ein Herz fasste und den entscheidenden Elfmeter verwandelte, als die Matildas erstmals einen Sieg beim AFC Asien-Pokal feierten.

Fast ein Jahrzehnt lang spielte sie abwechselnd in der amerikanischen NWSL und der australischen W-League. Jetzt genießt Simon einen neuen Abschnitt ihrer Karriere beim niederländischen Klub PSV Eindhoven. Simon erzählte FIFA.com über ihr neues Abenteuer in Europa, die schmerzhafte Erfahrung der verpassten FIFA Frauen-WM 2019™ wegen einer Verletzung, ihre Vorfreude auf die FIFA Frauen-WM 2023 im eigenen Land und ihre Erinnerungen an die Olympischen Spiele von Sydney.

FIFA.com: Beginnen wir mit einer Rückblende, Kyah: Welche Erinnerungen haben Sie an den Gewinn der Goldmedaille durch Cathy Freeman bei den Olympischen Spielen 2000?

Kyah Simon: Ich saß mit meiner ganzen Familie vor dem Fernseher (im Westen Sydneys). Wir waren regelrecht an den Bildschirm gefesselt und absolut aus dem Häuschen, als Cathy die Ziellinie überquerte. Wir waren im Olympiafieber und ihr Rennen war der absolute Höhepunkt für uns. Es hatte ja im Vorfeld auch einen enormen Hype darum gegeben. Selbst heute bekomme ich noch eine Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke. Ich erinnere mich noch sehr genau an alles. Es war ein riesiger Moment für den australischen Sport, für die Ureinwohner und für das Land im Allgemeinen.

Hat dieser Moment Sie damals als indigene Sportlerin inspiriert? Und heute auch noch?

Sie ist die Heldenfigur und Sportlerin, die mich als Kind inspiriert hat. Wir teilen durch unsere Aboriginal-Abstammung die gleiche Kultur und das gleiche Erbe. Das machte die ganze Sache natürlich noch intensiver. Es zeigte mir, dass auch Aboriginal-Frauen Erfolge haben können. Insofern war es für mich als damals neunjähriges Mädchen eine enorme Inspiration.

Im niederländischen Frauenfussball hat sich in den vergangenen Jahren enorm viel getan. Sehen Sie auch in der Eredivisie der Frauen positive Veränderungen?

Ich habe den Eindruck, dass es hier riesige Verbesserungen gegeben hat. Auch in Gesprächen mit anderen Spielerinnen wird deutlich, dass hier enorme Fortschritte gemacht werden. Einige Spielerinnen, die schon seit sechs, sieben Jahren dabei sind, bestätigen ebenfalls, dass die Veränderungen in dieser Zeit außerordentlich sind. Es gibt riesige Fortschritte und man tut viel, um die Qualität der Liga so weit wie möglich zu steigern. Das zeigt sich auch daran, dass einige Nationalspielerinnen in die Liga zurückgekehrt sind. PSV ist ein durch und durch europäisch geprägter Klub und wird sehr professionell geführt. Es erinnert mich stark an Melbourne City in meiner Heimat, mit ähnlich guten Anlagen und Einrichtungen.

Wie gefällt Ihnen Ihr erstes fussballerisches Abenteuer bei einem europäischen Klub und die hiesige Fussballkultur?

Es gefällt mir sehr. Vielleicht hätte ich diesen Wechsel schon etwas früher machen sollen, doch besser spät als nie. Ich denke, dass ich in den kommenden Jahren in Europa bleiben werde. Ich genieße die Veränderungen, die das Leben und der Fussball in Europa mir bieten. Das ganze Jahr bei ein und demselben Team zu bleiben, ist sicher eine gute Sache. Es ist wohl das erste Mal, dass ich bei einem Klub die gesamte Saisonvorbereitung mitgemacht habe. Auf den eigenen Körper und die Gesundheit zu achten ist für Fussballer überaus wichtig. Die Voraussetzungen hier erlauben mir, das zu tun.

Es wird viel Fussball im Fernsehen gezeigt, und zwar nicht nur mitten in der Nacht. Ich habe hier das Gefühl, immer und überall vom Fussball umgeben zu sein und auch dieser Aspekt gefällt mir sehr gut.

Was haben Sie gedacht, als Sie erfuhren, dass die FIFA Frauen-WM 2023™ in Australien und Neuseeland stattfindet?

Ich war bei der Ankündigung in Sydney. Es war ein absolut verrücktes Erlebnis. Ein Gefühl der puren Ekstase. Ich habe ja schon bei Weltmeisterschaften gespielt und weiß daher, was für eine besondere Erfahrung das ist. Das nun im eigenen Land zu erleben, wenn sich das ganze Land auf dieses Turnier konzentriert, so wie wir es bei den Olympischen Spielen 2000 erlebt haben, wird schon eine Riesensache – und dann noch selbst aktiv dabei zu sein … . Es sind sehr aufregende Zeiten und es wird bestimmt auch sehr interessant, was in den kommenden Jahren im Vorfeld des Turniers alles passiert.

Wie sind Sie damit zurecht gekommen, dass Sie die FIFA Frauen-WM Frankreich 2019™ verpasst haben?

Das war sehr hart. Aber nichts passiert ohne Grund. Dadurch ist meine Entschlossenheit nur noch größer, in Zukunft bei wichtigen Turnieren dabei zu sein. Ich werde alles in meiner Kraft und Macht Stehende tun, um dabei zu sein.

Inspiriert Sie die Ausrichtung des Turniers in Australien noch mehr, oder ist das verpasste Turnier 2019 Ihr größter Antrieb?

Ich denke, man sollte versuchen, sich auf das Jetzt zu konzentrieren und sich von Tag zu Tag zu verbessern, und sich nicht zu sehr auf das Morgen konzentrieren und zu weit in die Zukunft denken. Es sind ja auch noch andere Ziele in Sicht: die Olympischen Spielen 2021, der AFC Asien-Pokal, dann die Weltmeisterschaft und die nächsten Olympischen Spiele. Das alles sind individuelle Ziele für mich, auf die ich hinarbeite. Ich versuche stets, mir Tag für Tag neue Herausforderungen zu stellen und so zu trainieren, dass ich bei diesen großen Turnieren in Bestform sein kann.


Auswahlverfahren für die Spielorte der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2023™: virtuelle Seminare beginnen
19.10.20 - 21:00 - de.fifa.com

A close up of the Women's World Cup Trophy

Nach der Vergabe der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2023™ an Australien und Neuseeland läuft ab heute das Auswahlverfahren für die Spielorte an: Vom 20. Oktober bis 4. November führt die FIFA virtuelle Seminare mit den zwölf Bewerberstädten durch.

Die virtuellen Seminare bieten den zwölf Bewerberstädten ein Forum, in dem sie von der FIFA und den beiden gastgebenden Verbänden – dem australischen und dem neuseeländischen Fussballverband – mehr Informationen über das Verfahren zur Auswahl der Spielorte erhalten. Zudem stellen die Städte ihre aktualisierten Pläne vor, gefolgt von einer interaktiven Fragerunde zu betrieblichen Aspekten.

Folgende zwölf Bewerberstädte nehmen an den virtuellen Seminaren teil:

*Australia-Stadion und Sydney-Fussballstadion

Im Vorfeld der virtuellen Seminare sagte Colin Smith, Turnier- und Veranstaltungsdirektor der FIFA:

"Wir freuen uns auf die virtuellen Seminare in den nächsten Wochen – sie sind die ersten Schritte, die wir gemeinsam mit Australien und Neuseeland auf dem Weg zur FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2023 gehen. Diese Seminare bieten ein nützliches Forum: Wir lernen die zwölf Bewerberstädte besser kennen und erfahren mehr über ihre Pläne für die Stadien, Trainingsanlagen und anderen zentralen Betriebsbereiche."

Nach den virtuellen Seminaren werden in allen Bewerberstädten Inspektionen durchgeführt, jedoch erst, wenn es die Sicherheit zulässt. Bei der entsprechenden Beurteilung hält sich die FIFA gemäß ihren Richtlinien an die Empfehlungen und Vorschriften der Gesundheitsbehörden zur COVID-19-Pandemie.

Die FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2023™ ist die erste FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ überhaupt – bei den Männern wie auch den Frauen –, die von zwei Konföderationen gemeinsam veranstaltet wird. Zudem ist sie die erste FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft™ mit 32 Teams.

Weitere Informationen zur FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2023™ finden Sie auf FIFA.com oder auf unseren Social-Media-Kanälen wie Twitter, Facebook und Instagram.


Rosie White will bei Neuseelands Heim-WM wieder glänzen
09.10.20 - 08:42 - de.fifa.com

Rosie White #31 of the Seattle Reign FC is honored for representing the New Zealand Women's National Football Team prior to taking on the Chicago Red Stars during their game at Cheney Stadium on July 28, 2019 in Tacoma, Washington. 

Eine Weltmeisterschaft auf eigenem Boden. Ein historischer Sieg in der Landeshauptstadt. Ein perfekter Hattrick … die meisten neuseeländischen Fussballerinnen dürften davon träumen, dass ihnen 2023 so etwas gelingt. Rosie White hingegen hat diesen Traum schon durchlebt – und zwar im zarten Alter von 15 Jahren.

Es war im Wellington Regional Stadium und Whites Tore – mit dem rechten Fuß, dem linken Fuß und per Kopf – bescherten ihrem Land den ersten Sieg aller Zeiten bei einem FIFA-Frauenturnier. Und all das trug sich vor der Familie und Freunden zu, als Neuseeland 2008 die erste FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft™ ausrichtete.

Rosie White of New Zealand celebrates her goal during the FIFA U-17 Women's World Cup match between New Zealand and Colombia at the Westpac Stadium on November 4, 2008 in Wellington, New Zealand. 

"Das ist bis heute eine meiner schönsten Erinnerungen", sagte sie gegenüber FIFA.com. "Mir war gar nicht klar, was für eine große Sache diese Weltmeisterschaft in Neuseeland sein würde. Mit 15 daran beteiligt zu sein, war ein absolut großartiger Einstand im internationalen Fussball."

"Dieser Sieg gegen Kolumbien war einfach riesig. Schließlich war es der erste Sieg überhaupt für ein neuseeländisches Team bei einer Fussball-Weltmeisterschaft. Es war ein Gefühl, als hätten wir das Turnier gewonnen."

"Ich habe die gesamte WM als sehr emotionales Erlebnis im Gedächtnis. Wir waren alle noch so jung, wir standen uns im Team unglaublich nahe und es war einfach ein tolles Abenteuer für uns alle. Es ist jetzt schon ziemlich lange her, aber ich erinnere mich noch an alles, insbesondere an die Emotionen, sehr lebhaft. Bis dahin war Fussball für mich ein Sport, den ich liebte, aber nicht mehr. Dieses Turnier weckte in mir den Wunsch, daraus eine echte Karriere zu machen."

Zwölf Jahre später zeigt Whites Bilanz – 110 Länderspiele, drei WM-Teilnahmen, zwei Teilnahmen am Olympischen Fussballturnier der Frauen sowie Gastspiele bei Spitzenklubs in England und in den USA – wie richtig ihre als Teenager getroffene Entscheidung war.

Rosie White of New Zealand at the FIFA Women's World Cup France 2019.

"Es war von Zeit zu Zeit eine echte Achterbahnfahrt, doch ich kann mich sehr glücklich schätzen", bilanziert sie. "Die Olympischen Spiele 2012 waren bisher das Allergrößte für mich.Das war das erste Mal, dass wir bei einem FIFA-Turnier den Sprung aus der Gruppenphase geschafft haben, und das fühlte sich an wie ein großer Durchbruch. Wir hatten damals einen echten Höhenflug. Und wenn wir nicht im Viertelfinale auf die USA getroffen wären, hätten wir vielleicht sogar noch weiter kommen können."

Trotz all der Tore und der vielen denkwürdigen Momente bei großen Turnieren ist White überzeugt, dass das Beste erst noch kommt. Und das liegt daran, dass erneut eine Weltmeisterschaft auf neuseeländischem Boden winkt.

Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023™ beginnt wenige Woche nach ihrem 30. Geburtstag, wenn White sich – sofern ihr keine Verletzungen dazwischen kommen – auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit befindet. Doch noch bedeutender ist die allgemeine Tragweite des Turniers.

"Das Tempo der Entwicklung und die Investitionen in den internationalen Frauenfussball waren im vergangenen Jahrzehnt so hoch, dass Neuseeland meiner Meinung nach kaum Schritt gehalten hat", so ihre Einschätzung. "Daher finde ich, dass es nicht nur fantastisch ist, dass diese WM kommt, sondern auch wirklich nötig – um den Frauenfussball bei uns wieder richtig auf Touren zu bringen."

"Für uns als Spielerinnen wird diese WM natürlich etwas ganz Besonderes, denn wir haben im Vergleich zu vielen anderen Nationalteams viel seltener die Chance, zu Hause zu spielen. Daher ist das immer ein ganz besonderes Gefühl. Wenn ich daran denke, wie toll die U-17-WM damals war und wie viel größer diese Frauen-Weltmeisterschaft sein wird, dann kann ich mir kaum vorstellen, wie fantastisch es wird. Ich bin schon ganz aufgeregt, wenn ich nur daran denke."

White hofft, dass die Entscheidung für eine Profikarriere, die sie als Teenagerin traf, nicht für alle Ewigkeit an die Bereitschaft geknüpft bleibt, die Heimat zu verlassen und ans andere Ende der Welt umzuziehen. Sie selbst hat enorm von ihren Erfahrungen in England und den USA profitiert und sie sehr genossen. Dennoch wünscht sich die 27-Jährige, dass die nächste Generation neuseeländischer Spielerinnen mehr Möglichkeiten und Chancen in der Heimatregion bekommt.

"Wir brauchen unbedingt ein professionelles Umfeld in Neuseeland und wir versuchen schon seit einigen Jahren, mit einem Team in der [australischen] W-League Fuß zu fassen. Hoffentlich bringt uns die Weltmeisterschaft dafür den benötigten Schwung", meint sie. "Ich musste vor zehn Jahren ins Ausland gehen und noch heute ist jedem jungen Mädchen klar, was auch mir damals klar war: Wenn du Fussballprofi werden willst, kannst du nicht in Neuseeland bleiben."

"Die Leute sagen oft: "Nun, wir sind ein kleines Land" – und das stimmt ja auch. Aber es gibt eine ganze Menge kleiner Länder auf der Welt – zum Beispiel in Skandinavien – mit professionellen Frauenteams. Wir müssen Kinder schon in jüngerem Alter fördern und motivieren, und dafür wären natürlich Profiteams in Neuseeland absolut wichtig."

In den vergangenen vier Jahren hat White die Vorteile des Profitums in der mit Stars gespickten NWSL selbst erlebt. Bei ihrem Klub OL Reign zählt die The Best – FIFA-Weltfussballerin Megan Rapinoe zu ihren Teamkameradinnen. Von ihr hat sich die Neuseeländerin langsam aber sicher abgeschaut, wie wichtig volle Konzentration, Selbstbewusstsein und unerschütterliche Entschlossenheit sein können.

"Dieser Aspekt der amerikanischen Mentalität ist wirklich interessant", findet sie. "Als ich in die USA kam, hat mich das ein bisschen genervt, das gebe ich zu. Eigentlich wollte ich dem aus dem Weg gehen. Diese ultra-selbstbewusste Einstellung und alles überaus ernst zu nehmen, läuft eigentlich genau gegen meine Natur und gegen alles, was ich in Neuseeland gelernt habe. Doch im Laufe der Zeit und insbesondere in den letzten paar Jahren habe ich mich durchaus darauf eingelassen."

"Ich meine eigentlich, dass ich mich abseits des Spielfelds nicht so sehr geändert habe, doch ich habe gesehen, wie wichtig diese Einstellung der U.S.-Spielerinnen auf dem Feld ist: "Ich werde nicht verlieren und es ist mir völlig egal, wer sich mir in den Weg stellt." Ich habe am Anfang unterschätzt, wie mächtig diese Einstellung ist. Aber ich habe gelernt, dass sie dazu beiträgt, die wirklichen Spitzenspielerinnen vom Rest abzuheben – und vielleicht auch das Team der USA von den anderen Ländern im Frauenfussball."

Schon lange ist es Whites persönliches Ziel, auch selbst dieses Eliteniveau zu erreichen. Nachdem sie in den vergangenen Jahren immer wieder durch Verletzungen und auch durch mangelnde Konstanz zurückgeworfen wurde, will die Stürmerin jetzt wieder Fortschritte in diese Richtung machen.

"Ich bin überzeugt, dass gute Zeiten kommen", sagt sie. "Technisch und taktisch habe ich das Gefühl, allmählich den Zenit zu erreichen. Jetzt muss ich mich noch mental und körperlich antreiben, um das nächste Level zu erreichen."

"Ich weiß, was ich tun muss, um auf höchstem Niveau konstant gut zu spielen, und um ehrlich zu sein, habe ich das in den letzten Jahren nicht geschafft. Für die Zukunft geht es darum, alles zusammenzufügen. Ich bin sehr optimistisch, weil ich weiß, dass noch eine ganze Menge mehr für mich drin ist. Ich bin wirklich gespannt, was ich erreichen kann."

Rosie White of New Zealand poses for a portrait


Matildas über die Kangaroo-Route wiedervereint
05.10.20 - 11:14 - de.fifa.com

Elise Kellond-Knight of Australia celebrates

Die Frauenfussball-Landschaft hat sich in den letzten Jahren oft in kürzester Zeit erheblich verändert. Das ist sicherlich einer der faszinierenden Aspekte dieser Sportart. Insbesondere sind in diesem Zusammenhang rapide ansteigende Zuschauerzahlen, immer höhere Standards auf dem Spielfeld und ein wachsendes Medieninteresse zu nennen. Europas kollektive Kampfansage bei der letztjährigen FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ sowie weitreichende Investitionen in eine dynamische Klubszene sind noch beeindruckendere Beispiele vom europäischen Kontinent.

Ein derartiges Wachstum in Ländern wie Spanien, Italien, den Niederlanden und insbesondere England hat ein Umdenken im hochkarätig besetzten Kader Australiens, dem Mitgastgeber der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023™, ausgelöst.

Im Vorfeld des AFC Asien-Pokals der Frauen 2018 standen nur zwei der 23 australischen Nationalspielerinnen bei europäischen Klubs unter Vertrag. Gut zwei Jahre später, im März dieses Jahres, war der gesamte Kader des AFC-Qualifikationsturniers für das Olympische Fussballturnier auf dem "Alten Kontinent" aktiv.

Akteurinnen wie Elise Kellond-Knight, Tameka Yallop und Aivi Luik waren bereits zuvor über längere Zeitabschnitte in Europa aktiv gewesen. Doch dann geschah etwas Unerwartetes, und dabei übernahm einmal mehr Sam Kerr eine Vorreiterrolle. Die torgefährliche Stürmerin beendete Ende letzten Jahres ein sehr lukratives Engagement in der US-amerikanischen Profiliga NWSL, um ein Angebot des FC Chelsea anzunehmen. Wenige Monate später folgten ihr mit Caitlin Foord, Hayley Raso und Chloe Logarzo drei Spielerinnen aus der australischen W-League.

Und plötzlich wurde aus einem kleinen Bach ein reißender Fluss. Der Begriff "Kangaroo-Route", mit dem früher die Passagierflüge von Australien nach Europa bezeichnet wurden, bekam im Zusammenhang mit dem Sport eine ganz neue Bedeutung.

13 Australierinnen standen in der letzten Saison in der NWSL unter Vertrag, doch der Grund für den 2020 eingeleiteten Richtungswechsel hat vielfältige Gründe. "Ich habe bemerkt, dass Spielerinnen unbedingt nach Europa wechseln wollten", so Australiens linke Mittelfeldspielerin Elise Kellond-Knight, die einen Großteil des letzten Jahrzehnts in Europa verbracht hat, im Gespräch mit FIFA.com.

"Der Trainerstab der Matildas hat festgestellt, dass wir gegen europäische Teams (im letzten Jahr) und auch in den Vorjahren nicht erfolgreich waren. Das ist also ein Schwachpunkt." Ein wichtiger Faktor ist sicherlich COVID. Die Tatsache, dass die amerikanische Liga nicht fortgesetzt werden konnte, hat ebenfalls einen wichtigen Impuls gegeben. Es kamen also mehrere Faktoren zum Tragen.

"Einige Spielerinnen haben noch nie zuvor in Europa gespielt. Sie werden enorm davon profitieren", meint Kellond-Knight, die bereits auf ein langes und erfolgreiches Engagement bei Turbine Potsdam zurückblicken kann und derzeit bei Kristianstads DFF in Schweden unter Vertrag steht. KKs’ derzeitiges Zuhause könnte kaum weiter von ihrer Heimat an der Gold Coast entfernt sein, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes und im übertragenen Sinn. Ihre andere Leidenschaft, das Surfen, kann sie derzeit vergessen, doch das Opfer lohnt sich.

"Für mich persönlich ziehe ich den europäischen Fussball vor, und viele Aspekte des hiesigen Lebensstils gefallen mir", erklärt sie. "Da so viele hochkarätige Spielerinnen nach Europa wechseln, werden natürlich alle davon profitieren, jeden Tag in diesem Umfeld trainieren zu können."

Australische Leistungsträgerinnen in Europa

England – Steph Catley, Caitlin Foord, Lydia Williams (alle FC Arsenal), Alanna Kennedy (Tottenham Hotspur), Sam Kerr (FC Chelsea), Chloe Logarzo (Bristol City), Hayley Raso (FC Everton), Emily van Egmond (West Ham United)

Frankreich – Laura Brock, geborene Alleway (EA Guingamp), Ellie Carpenter (Olympique Lyon), Mary Fowler (Montpellier HSC)

Niederlande – Amy Harrison, Kyah Simon (beide PSV Eindhoven)

Norwegen – Katrina Gorry, Clare Polkinghorne (beide Avaldsnes IL), Karly Roestbakken (LSK Kvinner), Tameka Yallop (Klepp IL)

Schweden – Emily Gielnik (Vittsjö GIK), Elise Kellond-Knight (Kristianstads DFF)

Spanien – Alex Chidiac (Atlético Madrid), Aivi Luik (FC Sevilla), Jenna McCormick (Real Betis Sevilla)

Australien konnte beim Algarve Cup und in anderen Länderspielen bereits positive Ergebnisse gegen europäische Teams verbuchen, bei einer WM gelang dies jedoch nur einmal. Bei der letzten WM-Auflage 2019 in Frankreich wurde diese Flaute mit einer Niederlage gegen Italien und einer weiteren nach Elfmeterschießen gegen Norwegen fortgesetzt.

"Gegen europäische Gegner haben wir immer Schwächen gezeigt, da gibt es ein Manko in unserer Spielweise und unserem Wissen", so Kellond-Knight, die mit Bedacht spricht, was vielleicht von einer Spielerin mit einem abgeschlossenen Pharmaziestudium, die gerade freiwillig ein Praktikum auf Distanz absolviert, nicht anders zu erwarten ist.

"Was in England passiert, ist wirklich fantastisch. Dort hat sich in den letzten 12 bis 18 Monaten sehr viel bewegt, und die Spielerinnen sehen, dass hier wirklich viel investiert wird."

"Ressourcen, die Unterstützung der Spielerinnen, Werbung, Infrastruktur und Frauenteams, die den großen Klubs angegliedert sind – das gesamte Paket rund um die Liga ist attraktiv und ich glaube, England macht seine Sache in letzter Zeit von allen am besten."


Gustavsson zum neuen Trainer der "Matildas" ernannt
29.09.20 - 11:10 - de.fifa.com

New Australia coach Tony Gustavsson with Matildas forward Caitlin Foord

Tony Gustavsson wurde zum neuen Cheftrainer der australischen Frauen-Nationalmannschaft ernannt.

Dem Schweden wurde die Verantwortung übertragen, den Co-Gastgeber Australien bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2023 zu leiten. Gustavssons Erfolge als Trainer umfassen zwei aufeinanderfolgende Triumphe bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in den Jahren 2015 und 2019, in denen er als Assistent von Jill Ellis für die USA arbeitete. Er war auch Assistent von Pia Sundhage, als die Stars & Stripes bei den Olympischen Spielen 2012 in London Gold gewannen.

Jill Ellis, Head Coach of USA celebrates with Assistant coach of USA Tony Gustavsson

Gustavsson arbeitet derzeit als Cheftrainer der ersten Mannschaft des schwedischen Erstligisten Hammarby.

Zu seinem Vereinserfolg gehört ebenfalls, dass er Tyreso 2014 ins Finale der UEFA Women's Champions League führte.

Gustavssons Vertrag läuft bis 2024. Er wird die Matildas bei mehreren wichtigen internationale Wettbewerbe betreuen, darunter das Olympische Fussballturnier der Frauen in Tokio, den AFC-Frauen-Asien-Pokal 2022 und die Frauen-Weltmeisterschaft auf heimischem Boden .

Der 47-Jährige wird versuchen, die Leistung der Matildas in Frankreich 2019 zu verbessern. Dort war Australien nach dem Achtelfinale ausgeschieden.

"Ich bin sehr stolz und glücklich, zum Cheftrainer (Australien) ernannt worden zu sein", sagte Gustavsson. "Ich habe das Gefühl, dass ich durch meine 21 Jahre als Trainer in die Lage versetzt wurde, darauf vorbereitet zu sein. Es fühlt sich so an, als wäre es zu einem Zeitpunkt gekommen, auf den ich gewartet habe, und zwar die Matildas vier Jahre lang zu führen, auch bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023 in Australien und Neuseeland. Ich habe immer gesagt, dass die Matildas das Potenzial haben, eines der besten Teams der Welt zu sein, und das ist einer der Gründe, warum ich an Bord kommen wollte. Ich stand oft unter Druck und in einer Umgebung, die Erfolg erfordert. Diese Erfahrungen werden von Vorteil sein, wenn wir gemeinsam mit den Fans, Stakeholdern, Spielerinnen und den Mitarbeitern als Team ein Ziel verfolgen."